Wer hat an der Uhr gedreht ….

Mittwoch, 12. Mai 2010

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hat sich vielleicht Silvana Koch-Mehrin gedacht, als sie von Frank Plasberg am Ende seiner Sendung „Hart aber fair“ am 05.05.2010 um eine Einschätzung darüber gebeten wurde, wie viel Schulden Deutschland in den vergangenen 75 Minuten Sendezeit wohl angesammelt habe.

Und tatsächlich war sie bass erstaunt, dass sie, Finanzpolitikerin und „Superweib“ (DER SPIEGEL) der FDP, mit ihrer Einschätzung von € 6.000 bei tatsächlich 20 Millionen € aufgelaufener Schuldenlast so gründlich daneben lag.

Dr. Silvana Koch-Mehrin

Dr. Silvana Koch-Mehrin *

Es mag den unbedarften Betrachter vielleicht enttäuschen, dass die studierte Volkswirtin und in Währungsfragen promovierte Vizepräsidentin des Europaparlaments den Standort Deutschland so günstig bewertet hat, dies sollte ihn aber bei der beteiligten Konkurrenz auch nicht verwundern.

Wenn die Altmeister fiskalischer Rechenoperationen, der eiserne Hans Eichel und König Kurt Biedenkopf, um ihre Expertise gebeten werden, kann die Gnade der späten Geburt nur ein schlechter Ratgeber sein.

Schließlich weiß Herr Eichel als Schröders einstmaliger Finanzminister nur zu gut, wie das Wort „Staatsverschuldung“ in konkreten Zahlen sich ausdrücken lässt. Daher zeugt Frau Doktors* 6.000 eher von der freidemokratischen Tugendlehre als von unterirdischer Inkompetenz.

Denn erstens haben die Freien Demokraten seit den seligen Zeiten Ludwig Erhardts nie wieder einen Finanzminister gestellt und dass, obgleich die FDP an 18 von 22 Bundesregierungen seit 1949 beteiligt war. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

Aber die Tatsache, dass es in der Wirtschaftwunderzeit noch etwas zu verteilen gab und nicht nur Haushaltslöcher zu verwalten waren, erklärt möglicherweise auch das ewig penetrante und ein wenig einseitig wirkende Beharren von Guido & Co. auf Steuersenkungen. Wenn in 75 Minuten lediglich 6.000 € Schulden anfallen, ja, dann geht da doch noch was, Frau Merkel!

Und zweitens irrt deshalb Herr Plasberg mit seinem Verdikt, besagte Dame solle, ob der getätigten Fehleinschätzung, niemals Finanzministerin werden. Denn wie Plasbergs Schuldenspiel lehrt, scheint eine gewisse Unbedarftheit in Sachen Arithmetik die Grundvorrausetzung für das nachhaltige Wirken an der Spitze des Finanzministeriums zu sein; da sind wir uns in Europa einig.

Silvana lässt sich daher nicht lumpen und beweist uns noch einmal schriftlich in einem messerscharfen Faktencheck, wie sehr sie dieser Herausforderung gewachsen ist.

Wie es allerdings möglich ist, dass sich innerhalb von nur 75 Minuten ein Schuldenberg von 20 Millionen € überhaupt hat auftürmen können, das hätte Pilawa Plasberg den arithmetisch sattelfesten Eichel Hans ganz sicher hart aber fair gefragt, wenn, ja, wenn der Polittalk da nicht schon am Ende gewesen wäre.

-jk

* Hinweis: Die Aberkennung des Doktor-Titels durch die Universität Heidelberg erfolgte 2011.

Über den Autor

Jens Kohne ist Philosoph.  Sprache ist für ihn die kritische Auseinandersetzung mit der Welt.  Sein bisheriger Werdegang führte ihn von der Fabrik in die akademische Laufbahn, von dort zur Betriebswirtschaft und weiter zur PR- und Öffentlichkeitsarbeit bis zum Leiter einer öffentlichen Weiterbildungseinrichtung.

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