Gilt noch immer: „Feuern Sie Ihre PR-Leute“

Donnerstag, 27. Mai 2010

„Feuern Sie Ihre PR-Leute“, hat Bernd Ziesemer, ehemaliger Chefredakteur des Handelsblattes,  einen Beitrag aus dem Jahr 2000 überschrieben – und der Inhalt ist eine Dekade später unvermindert aktuell. Deshalb verweise ich auf den Text regelmäßig bei IHK-Seminaren zur Pressearbeit mittelständischer Unternehmen, bei denen ich als Dozent auftreten darf.

Ziesemer nannte eine Reihe von Gründen, mit denen sich sogenannte Kommunikationsfachleute für Pressearbeit disqualifizieren. Anhand von Beispielen aus PR-Texten von Unternehmen zeigte er auf, was Redakteure damals nervte – und was auch heute Ausschlussktriterien für gute Pressemitteilungen sind: nichtige Anlässe, fehlerhaftes oder geschwollenes Deutsch, mit englischen Ausdrücken gespickte Texte, nichtssagende Zitate, telefonisches Nachfassen, ob die Meldung auch veröffentlicht wird.

Kurz nach der Jahrtausendwende war er sicherlich genervt vom „Neuen Markt“-Hype gewesen. Wir erinnern uns, dass sich im Umfeld zahlreicher Börsengänge eine Flut schlecht formulierter, nichtssagender Unternehmens-Pressemitteilungen über die Redaktionen von Tageszeitungen und Fachzeitschriften ergoss.

Ein Jahrzehnt später ist es  nicht besser geworden. Internetportale, bei denen jedermann kostenlos Pressemitteilungen veröffentlichen kann, geben auch dem Nicht-Redaktionsmitglied einen Einblick in das, was aktuell von PR-Leuten verbrochen wird.

Ein Beispiel gefällig?

Den Text  Die NEUE S320-12 ist ein starker Typ mit starkem Auftritt vom 14. April 2010 fand ich im Portal www.pressemitteilung.ws.  Er beginnt mit  den Zeilen: „Erneut das HÖHEN – Limit nach oben verschoben hat Fa. H.A.B. aus Kronau. Mit der neuen S 320-12 stellt H.A.B. nochmals unter Beweis, was technisch machbar ist. Bereits seit Dezember letzten Jahres laufen die beiden ersten Geräte dieser neuen SUPER Serie und sind schon jetzt nicht mehr wegzudenken. “

Und? Wissen Sie, um was es geht (wenn Sie über die Versalien hinweggekommen sind)? Wie sollten Sie auch. Erst weitere zwei Sätze später kommt der Hinweis: „Zudem sind ALLE Hochregal – Bühnen von H.A.B. in VOLLER Höhe verfahrbar.“

Die Negativliste lässt sich leicht ergänzen

Zu Ziesemers Negativkriterien lassen sich bereits nach Lektüre dieses Textes noch weitere hinzufügen: Wer in seinem Text nicht verrät, um was es ihm geht – gehört gefeuert. Wer mit Großbuchstaben herumschreit und Ausdrücke wie „Super“ benutzt – gehört gefeuert.

Wer behauptet, eine Firma beweise mit einer neuen Hochregal-Bühne, „was technisch machbar ist“ – gehört gefeuert und noch einmal auf die Schule. Und wer glaubt,  dass es mitteilenswert sei, dass eine Hochregal-Bühne nicht mehr wegzudenken sei, der soll doch einmal zeigen, wie es möglich ist, auch nur eine Schraube „wegzudenken“. Man darf gespannt sein: Die Autorin bezeichnet sich selbst als „Journalistin, Psychologin, Dozentin“ – vielleicht kann sie das ja.

Beispiele für weitere Textkritik

Für Hinweise auf interessante Pressemitteilungen, Veröffentlichungen in Publikationen oder im Internet für eine Textkritik bin ich dankbar. Bitte mailen an blog@mehrblick-blog.eu.

F.  Stephan Auch

PR-Sprache – ein neuer Blog

Montag, 10. Mai 2010

„PR-Sprache“ – das Wort hat keinen guten Klang. Damit verbindet man werbende und verschleiernde Marketingtexte, die als „Pressemitteilungen“ verkleidet an Redaktionen versendet werden. Wo sie dann Journalisten nerven, die sie flugs in den Papierkorb befördern. „PR-Sprache“ wird auch in Geschäftsberichten, Unternehmenbroschüren und auf Internetseiten eingesetzt, um abzulenken und zu beschönigen. „PR-Sprache“ verwenden Werber, die sich auch „PR-Gags“ ausdenken.

„PR-Sprache“ und „Pressearbeit von Unternehmen“

Richtig verstandene und gut gemachte Pressearbeit kann für Unternehmen ein erfolgreiches Instrument sein, um auf Produkte, Dienstleistungen, Innovationen und andere Leistungen aufmerksam zu machen. Sachlich und informativ im Inhalt, journalistisch in der Sprache, interessant bei der Themenwahl unterstützen Pressetexte, Anwenderberichte, Journalistengespräche und Messepräsentationen den Vertrieb, die Imagebildung und das Verständnis über Unternehmen.  Erfolgreiche Pressearbeit liefert Informationen.

Der Leser wird für dumm verkauft

„PR-Sprache“ und die dahinter stehende Einstellung machen das Gegenteil:  Sie bauschen auf, lenken ab, täuschen vor. Der Leser soll nicht informiert, sondern geblendet werden. Wenn der Inhalt nicht überzeugt oder der Schreiber dies befürchtet, dann helfen nur noch Superlative. Die Haltung dahinter: Der Empfänger ist zu dumm, um die Bedeutung einer echten Nachricht zu erkennen, deshalb wird diese marktschreierisch überhöht. Gibt es einmal keine Neuigkeit zu vermelden, wird der dumme Leser das schon nicht merken, dafür werden geschraubte Formulierungen, nichtssagende Floskeln und reißereische Aussagen verwendet.

Was erfolgreiche Pressearbeit ausmacht

Ich halte Pressearbeit für wichtig, Unternehmen, die ich hierbei unterstütze, nutzen dieses Instrument erfolgreich. Mich stört es, wenn der Kontakt zu einem Journalisten deshalb mühevoll ist,  weil dieser schlechte Erfahrungen mit anderen Unternehmen gehabt hat. Das erschwert mir ein Stück weit die Arbeit – solange, bis ich den Journalisten davon überzeugt habe, dass er von Pressemitteilungen meiner Kunden einen Nutzen hat: Indem er dadurch Anregungen zu anderen Themen bekommt, Neues über Innovationen aus einer für ihn interessanten Branche erfährt, Beispiele erfolgreicher Problemlösungen kennenlernt. Denn wer sich auf Unternehmensseite dazu entschließt, Journalisten wie ein Dienstleister als Kunden zu behandeln, wird schnell eine gute Zusammenarbeit aufbauen können.

Wofür soll ein Blog „PR-Sprache“ gut sein?

Mir ist es wichtig, dass Unternehmen eine gute Sprache benutzen, wenn sie über Wirtschaft, Technik und Service berichten und sich an die Öffentlichkeit wenden. Leider gibt es genug Negativbeispiele, wo dies nicht der Fall ist. Mit diesem Blog möchte ich auf solche Mißstände aufmerksam machen, gleichzeitig aber auch positive Beispiele hervorheben und beides zur Diskussion und Kommentierung stellen. Damit sich vielleicht etwas ändert.

Über Hinweise, Beispiele, Anregungen und Ideen an  blog@mehrblick-blog.eu freue ich mich.