Blablameter – ein Heißluftdetektor wird vier Jahre alt

Dienstag, 01. März 2016

von Simone Danne

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Hohle Phrasen, aufgeblähte Sätze, unnötig komplizierte Satzstrukturen: Manche Texte sind einfach nur unangenehm zu lesen. Wissenschaftler versuchen, sich mit Fremdwörtern und Bandwurmsätzen zu schmücken, Politiker reden um den heißen Brei herum, und Werber – nun ja, darüber wurde sich auf diesem Blog ja schon häufiger beklagt. Ein Webentwickler hatte vor mehr als vier Jahren genug. Seine Lösung: Er entwickelte eine Internetseite, die überflüssiges Wortgeklingel auf einen Schlag aufdeckt – den Blablameter.

Die Website ist simpel aufgebaut: Text einfügen, auf „Testen“ drücken, und schon erscheint ein Indexwert und eine passende Botschaft.

Die kann so aussehen…

„Ihr Text zeigt schon erste Anzeichen heißer Luft. Für Werbe- oder PR-Sprache ist das noch ein guter Wert, bei höheren Ansprüchen sollten Sie vielleicht noch ein wenig daran feilen.“

… oder bei schlechteren Texten auch einmal so:

„Sie müssen PR-Profi, Politiker, Unternehmensberater oder Universitätsprofessor sein! Sollten Sie eine echte Botschaft transportieren wollen, so erscheint es fraglich, ob diese Ihre Leser auch erreicht.“

Über die genaue Funktionsweise seines Algorithmus bewahrt der Webentwickler Bernd Wurm natürlich Stillschweigen. Er verrät aber, dass ein übermäßiger Nominalstil als schlecht angesehen wird. Dazu kommt eine „Schwarze Liste“ an bestimmten Wörtern und Formulierungen, die ebenfalls eine schlechtere Wertung auslösen. Dass sich das Wort „effizient“ darunter befindet, hat Wurm preisgegeben, der Großteil aber bleibt im Dunklen. Inhalt und Aufbau der Texte werden nicht geprüft. Der sinnfreie Spaßtext oder das Boulevardblatt mit seinen einfachen, prägnanten Sätzen kann also auch Top-Werte erzielen.

Hochwertige Texte gehören zur Suchmaschinenoptimierung

Relevant ist Blablameter trotzdem: Und zwar nicht nur, um seine eigenen Texte besser lesbar zu machen, sondern auch in punkto Suchmaschinenoptimierung. Dass Google über einen Algorithmus verfügt, der die Qualität von Websitetexten zu messen versucht, ist schon länger bekannt.

John Mueller vom Schweizer Google-Team schrieb 2014: “Es gibt keine minimale Länge oder Anzahl an Artikeln, die man täglich posten muss, nicht einmal ein Minimum an Seiten auf einer Website. In den meisten Fällen ist Qualität besser als Quantität. Unsere Algorithmen versuchen ausdrücklich Websites zu finden und zu empfehlen, die einzigartige Inhalte von hoher Qualität bereitstellen, die für Nutzer unwiderstehlich sind. Füllt eure Seiten nicht mit Inhalt von geringer Qualität, stellt stattdessen lieber sicher, dass eure Seite die beste ihrer Art ist.“ (Übersetzung durch die Autorin).

Link: https://productforums.google.com/forum/#!topic/webmasters/ZOfwb2gaOeo/discussion

Und auch die Betreiber von Blablameter erzählen von Stichprobentests, bei denen Websites mit guter Google-Platzierung häufig auch niedrige Indexwerte erzielt hätten.

Schlechte Texte sprengen die Skala

Für den Test eigener Ergüsse auf heiße Luft braucht man mindestens drei bis fünf Sätze, ab einer Länge von 15.000 Zeichen wird der Rest einfach abgeschnitten. So lassen sich eigene Texte, von der Kurzmeldung bis zur Magisterarbeit (diese allerdings in Häppchen unterteilt), relativ schnell prüfen und auch einzelne schlecht formulierte Passagen sind schnell auffindbar.

Die Indexskala bewegt sich prinzipiell zwischen 0 und 1. Je höher der Wert, desto auffälliger die Phrasendrescherei. Laut Wurm erhalten gute journalistische Artikel eine Bewertung zwischen 0.1 und 0.3. Mehr deutet auf heiße Luft hin, weniger kann bedeuten, dass der Text stilistische Mängel aufweist. Krasse Fälle von PR-Sprache und bandwurmhaften Wissenschaftstexten können die Grenze nach oben aber auch durchbrechen, die höchsten bisher gemessenen Werte liegen laut Wurm sogar noch über 2.0.

Grund genug, seine eigenen Schöpfungen mal durchzuchecken. Dieser Blogbeitrag erzielt übrigens einen Wert von 0,19 und zeigt damit „nur geringe Hinweise auf ‘Bullshit‘-Deutsch“. Puh, noch mal Glück gehabt…

Ex-auchkomm-Praktikant Manuel Christa für beste Bachelorarbeit Technikjournalismus ausgezeichnet

Donnerstag, 16. Januar 2014

Manuel Christa (links), Absolvent des Studiengangs Technikjournalismus in Nürnberg, wurde  für die beste Bachelorarbeit des ersten Abschlussjahrgangs ausgezeichnet. Geehrt hat ihn Prof. Volker M. Banholzer, Leiter Studiengang Technikjournalismus / Technik-PR an der Technischen Hochschule Nürnberg Georg Simon Ohm, während  der Abschlussfeier am 15. Januar 2014 in der IHK Nürnberg für Mittelfranken. Manuel Christa war von März bis Juli 2012 Praktikant bei der auchkomm Unternehmenskommunikation und konnte für seine Abschlussarbeit die Kundenkontakte der Agentur nutzen.

Nachhaltig, umweltfreundlich, klimaneutral – alles nur Worthülsen?

Mittwoch, 28. März 2012

 

Umweltbewusstes Wirtschaften liegt im Trend und wird mit Begriffen wie „Nachhaltigkeit“ oder „Klimaneutralität“ von Unternehmen gerne beworben. Vielfach handelt es sich um reine Versprechen. Doch Umwelteinwirkungen von Produkten und Verfahren lassen sich etwa mit einer Ökobilanz ermitteln und bei methodisch gleichem Vorgehen auch vergleichen. Als Beispiel:  Wie „nachhaltig“ war  die Abwrackprämie?

Abwrackprämie 2009 (Quelle Bild: uschi dreiucker / pixelio.de).

Unter ihrem offiziellen Namen „Umweltprämie“ kennt heute kaum jemand den Zuschuss von 2.500 Euro, den der Staat 2009 einem zahlte, wenn man sein altes Auto verschrotten ließ und sich dafür einen Neuwagen zulegte. „Abwrackprämie“ wurde nicht nur der gebräuchliche Begriff, sondern auch Wort des Jahres 2009.  Primär hatte die Umweltprämie den Zweck, die schwächelnde Wirtschaft anzukurbeln. Aber wie umweltfreundlich ist überhaupt die Verschrottung eines noch funktionierenden, zugelassenen Autos? Wann ist der Ressourcen- und Energieverbrauch, der bei der Herstellung des Neuwagens anfällt, durch seinen geringeren – dies sei einmal vorausgesetzt – Spritverbrauch „amortisiert“? Denn die Abwrackprämie war nicht an ökologische Bedingungen für den Neuwagen geknüpft, wie vergleichbare Subventionen in anderen Ländern.  Antworten auf die Fragen zur Umwelteinwirkung liefert die Ökobilanz – zumindest teilweise.

Ökobilanz: Von der Wiege bis zur Bahre

Eine positive Bilanz der Abwrackprämie für die Umwelt zog das Heidelberger Institut für Energie- und Umweltforschung (ifeu) – wohlgemerkt beauftragt vom Bundesumweltministerium. Spritverbrauch und CO2-Ausstoß der Neuwagen sollen rund 20 Prozent niedriger sein als bei den verschrotteten Fahrzeugen. Die Verringerung der Luftschadstoffe, wie etwa Rußpartikel, soll sogar 99 Prozent betragen.

Umwelteinwirkungen der Herstellung sowie Entsorgung wurden von den Heidelberger Wissenschaftler nicht berücksichtigt, was dem ganzheitlichen Ansatz einer Ökobilanz widerspricht. Diesen Anspruch hatten sie aber auch nicht, es wurde lediglich eine „erste Bilanz“ gezogen. „Eine wissenschaftliche Bilanzierung der Umwelteffekte der Abwrackprämie steht bisher aus“, so im Gutachten.

„In der Summe entstehen 30% der negativen Umwelteffekte außerhalb der eigentlichen Nutzungszeit eines Autos – unter der Voraussetzung, dass seine Lebensdauer voll ausgeschöpft und nicht künstlich verkürzt wird“, schreibt Matthias Brake im Online-Magazin Telepolis. Bei nur neun Jahren Lebensdauer sollen es gar 50% Umwelteinwirkung sein, die der Herstellung und Entsorgung zuzuschreiben seien.

Umweltfreundliches Auto (Quelle Bild: Matthias Preisinger / pixelio.de).

Schadstoffarmes Auto (Quelle Foto: Matthias Preisinger / pixelio.de)

So sehr man sich aber auch bemüht, alle vermeintlichen Umwelteinwirkungen „von der Wiege bis zur Bahre“ zusammenzutragen, das Ergebnis ist stets kritisch zu betrachten: Denn um die Umweltverträglichkeit in der Ökobilanz auf eine Dimension zu reduzieren, werden die Werte aller schädlichen Stoffe mit einem vorher festgelegten Faktor umgerechnet, beispielsweise in ein CO2-Äquivalent. Nicht zuletzt dadurch wird das Ergebnis verzerrt.

Was ist eigentlich Nachhaltigkeit?

Auch wenn der Begriff der Nachhaltigkeit (engl. Sustainability) oft im ökologischen Sinne verwendet wird, so ist er nicht darauf beschränkt. Dennoch beschreibt der Ursprung aus der Forstwirtschaft das Prinzip recht griffig: Es darf nur so viel gefällt werden wie auch nachwachsen kann. Im Jahr 1713 tauchte erstmals in einer Publikation von Hans Carl von Carlowitz die Formulierung einer „nachhaltenden Nutzung“ von Wäldern auf.

Mittlerweile wurde der umweltbezogene Gedanke um eine wirtschaftliche und eine gesellschaftliche Komponente ergänzt. Nach der Enquetekommission des Deutschen Bundestages bilden daher Umwelt, Wirtschaft und Gesellschaft die drei Säulen der Nachhaltigkeit. Auf diesen basieren die verschiedenen Methoden zur Analyse von Umwelteinwirkungen oder Kosten.

Umweltzeichen: Umweltfreundlich weil emissionsarm?

Um Umweltzeichen mit echter Prüfung erkennen zu können, werden sie per Norm in drei Typen unterteilt. Typ I (ISO 14024) ist das für den Verbraucher interessanteste Umweltzeichen: Es zeichnet eine nachgewiesene umweltfreundlichere Eigenschaft gegenüber Konkurrenzprodukten aus.

Umweltzeichen „Der Blaue Engel“ (Quelle: www.der-blaue-engel.de)

Der Blaue Engel ist das bekannteste Typ-I-Zeichen, das aber keine Auszeichnung des Gesamtproduktes ist, sondern nur einen Umweltaspekt angibt, der  stets im Untertitel genannt ist. Ein Laserdrucker zum Beispiel „schützt das Klima“, wenn er weniger Strom verbraucht  oder weniger Schadstoffe in die Luft bläst als vergleichbare Drucker. Unter den Geräten mit Blauen Engel gibt es zudem kein weiteres Ranking. Ebenso können auch nicht ausgezeichnete Geräte umweltfreundlich sein, da der Blaue Engel nur auf Antrag vergeben wird.

Umweltdeklarationen nach Typ II (ISO 14021) sind Zeichen, die nach frei wählbaren Kriterien vom Hersteller selbst eingesetzt werden, um etwa die eigene Produktpalette zu klassifizieren. Unabhängige Dritte prüfen hier nicht die Kriterien, dies ist jedoch beim Umweltzeichen des Typs III der Fall: Es liefert eine quantitative Aussage über die Umwelteinwirkungen eines Produktes und ist zum Beispiel für Kühlschränke, Waschmaschinen oder Geschirrspüler vorgeschrieben. Damit lassen sich die Geräte etwa nach der EU-Energieverbrauchs-Kennzeichnung in Stufen von A+++ bis G unterteilen.

Energielabel (Quelle: Wikipedia).

Klimaneutral durch Kompensation

Die Bilanzierung der Umwelteinwirkungen eines Flugzeuges allein wird nie zu einem umweltfreundlichen Ergebnis gelangen. Unter dem Stichwort „klimaneutral“ sollen Umweltsünden  wieder reingewaschen werden, indem in CO2-sparende Projekte investiert wird. Zahlte man früher den Ablass nur an die Kirche, nehmen ihn heute bei Umweltsünden die Klimaschützer:

Die Non-Profit-Organisation „atmosfair“ etwa lässt sich das schlechte Gewissen der Flugpassagiere bezahlen, indem ein Emissionsrechner den CO2-Anteil des eigenen Fluges ermittelt. Mit einer Investition in ein Klimaschutz-Projekt soll dieser dann kompensiert werden. So kostet der Umwelt-Ablass für einen einfachen Flug von Köln nach Frankfurt mit 50 kg CO2 pro Passagier 6 Euro. Die Kölner Flughafengesellschaft bietet dasselbe Prinzip an, spricht beim selben Flug von 84 kg CO2 und verlangt nur 5 Euro.

Echte Klimaneutralität ist solche, die nicht durch Kompensation erlangt wird, sondern durch CO2-Vermeidung. Fürs (weite) Fliegen aber existiert kaum eine praktikable Alternative, sodass die Kompensation hier das geringste Übel darstellt.

„Starke Nachhaltigkeit“ und „schwache Nachhaltigkeit“

Nachhaltigkeit ist also nur innerhalb einer der erwähnten Kategorien messbar. Theoretisch kann daher zwischen einer starken und schwachen Nachhaltigkeit unterschieden werden: Somit wird die Frage beantwortet, ob die Dimensionen Umwelt, Wirtschaft und Gesellschaft einander aufwiegen dürfen.

Eine „starke Nachhaltigkeit“ verbietet ein Aufbrauchen des Naturkapitals. Um auf das ursprüngliche Beispiel zurückzukommen, sei dies am Holz verdeutlicht: Es muss stets so viel nachwachsen, wie gerodet wird – selbst wenn der Mensch mehr benötigt. Umwelt geht vor Wirtschaft und Gesellschaft. Der Begriff „schwache Nachhaltigkeit“ verbietet lediglich ein Aufbrauchen des Gesamtkapitals. Würde also eine reproduzierbare Technologie existieren, die Holz ersetzen könnte, dürfte man es aufbrauchen. Alle drei Kategorien sind hier gleichwertig und daher ist Natur- durch Sachkapital ersetzbar.

Der „starken Nachhaltigkeit“ zuliebe dürften nicht-regenerative Ressourcen wie Kohle oder Öl gar nicht abgebaut werden, wohingegen sich eine schwache Nachhaltigkeit etwa nur am Bruttosozialprodukt einer Gesellschaft orientieren könnte. Der Kompromiss der Praxis aber liegt  in jeder Umweltfrage irgendwo in der Mitte. Somit wurde zumindest von Seiten der Urheber auch die Abwrackprämie als voller Erfolg gewertet: Sie hatte spätestens dann ihren Zweck erfüllt, als 2011 die Autoindustrie Rekordumsätze meldete. Da sie aber insgesamt eine negative Ökobilanz aufweist, und als Subvention zunächst den Steuerzahler belastete,  wurden diese Umsätze zu Lasten von Umwelt und Gesellschaft erzielt.

Autor: Manuel Christa, Student Technikjournalismus an der Georg-Simon-Ohm-Hochschule in Nürnberg

Technikjournalismus: Modetrend oder notwendige Vermittlung zwischen Technik & Leser?

Dienstag, 15. Februar 2011

Studienangebote zum Technikjournalisten haben Konjunktur, so auch in Nürnberg: Erstmals seit der Einführung zum Wintersemester 2009/2010 bietet die Georg-Simon-Ohm-Hochschule den Studiengang Technikjournalismus nun auch zum Sommersemester an.

Damit reagiert sie nicht nur auf den diesjährigen doppelten Abiturjahrgang in Bayern, sondern auch auf den Wunsch von Wirtschaft und Medien nach technisch ausgebildeten Journalisten. Rund 60 Studenten haben sich in den vergangenen zwei Jahren für diesen Studiengang an der Hochschule entschieden. Technikjournalist – nur ein Modeberuf oder eine Profession mit Perspektive?

Wissen und Informationen als Gesellschaftsproblem

Im Jahr 2002 haben Mitarbeiter des Max-Planck-Institutes für Festkörperforschung, Stuttgart, in einem Beitrag „Literaturflut – Informationslawine – Wissensexplosion Wächst der Wissenschaft das Wissen über den Kopf?“ geschätzt, dass die Zahl der Menschen mit wissenschaftlich-technischer Bildung zwischen 1950 und 2000 von 10 Millionen auf 100 Millionen zugenommen hat.  Parallel zur Zahl der Wissenschaftler steige die Informationsmenge an.

Mehr Forschung führt aber nicht nur zu einer ungeheuren Vermehrung von Wissens und Innovationen. Auch die Komplexität und Spezialisierung der Themen nimmt zu. Das zwingt Forscher und Entwickler immer häufiger, Neuerungen fach-, markt-, und zielgruppengerecht zu publizieren. Die Leserkreise sind vielfältig und reichen von Unternehmen und anderen Technikverwertern über mögliche Finanziers bis zu den Medien und Verbrauchern. Jede Gruppe benötigt unterschiedliche Informationen in einer anderen Sprache.

Mehr Masse als Klasse

Ein besonderer Aspekt beim Informationsverhalten der Verbraucher ist die zunehmende Nutzung von Meinungs- und Bewertungsportalen wie Dooyoo.de und Ciao.de. Das Internet verspricht ein breites Informationsangebot und Suchmaschinen schnell verfügbares Wissen.

Ciao.de, nach eigenen Angaben Europas Verbraucher- und Shopping-Portal Nummer eins, steht mit mittlerweile rund sechs Millionen subjektiven Erfahrungsberichten und Produktbewertungen von Konsumenten beispielhaft für die webbasierte Informationsexplosion. Das Problem: Es vermehrt sich weniger die Qualität als die Quantität der Informationen, so dass die Masse der Einträge die Auswahl der nützlichen erschwert.

Die Chance für etablierte Medien

Das muss der Ansatzpunkt für die Medien sein. Es ist eine der wichtigsten Aufgaben von Journalisten, Informationen für den Leser zu selektieren und zu strukturieren. Das gilt für die Politik, die Wirtschaft und wird zunehmend eben auch für technische Themen relevant.

Das Problem ist, dass viele technische Verlautbarungen und Pressemitteilungen noch in schwer verständlicher Sprache formuliert sind. Technikjournalisten sind in der Lage, die Informationen zu verstehen, zu bewerten, mit Hintergrundinformation anzureichern und zielgruppengerecht darzustellen.

Bei schwierigen und gesellschaftlich brisanten Themengebieten, beispielsweise aus der Umwelt-, Atom-  und Gentechnik, wird der Leser erst durch verständliche und qualifizierte Informationen in die Lage versetzt, sich mit ihnen auseinanderzusetzen und sich eine Meinung bilden zu können.

Perspektive Technikjournalismus

Noch sieht die Wirklichkeit anders aus. Die Medien greifen auf Journalisten mit autodidaktisch erworbenem technischen Wissen zurück, die Wirtschaft auf Ingenieure mit Zeitmangel und fehlender sprachlicher Schulung.

Quasi als Vermittler zwischen Technik und Sprache soll der 1999 an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg eingeführte Studiengang Technikjournalismus fungieren. Die Studieninhalte sind zu gleichen Teilen auf Journalismus und technische Themengebiete aufgeteilt.

60 Studienplätze stehen mittlerweile für den auf den Bachelorabschluss umgestellten Studiengang zur Verfügung – rund 200 Absolventen in den letzten 10 Jahren haben das Angebot genutzt. Dass ausgerechnet die bekannteste Studentin des Studienganges, Katrin Bauernfeind, mit nicht-technischen Themen große Erfolge in den populären Medien feiert, schmälert die Qualität des Studienprogramms in keiner Weise, sondern zeigt die Vielseitigkeit der Absolventen.

Werbebranche, Projektmanagement, Medienbereich, PR-Agenturen und technikgeprägte Unternehmen – die späteren Arbeitsbereiche sind vielseitig. 95% der Absolventen haben laut Hochschule einen Job gefunden. Wachsendes Interesse der Gesellschaft für technische Themen und der weiter steigende Pegel der Informationsflut lässt den Koordinator, Professor und Mitentwickler des Studiengangs Prof. Dr. Andreas Schümchen auch für die Zukunft ein reges Interesse der Arbeitgeber an den Absolventen prognostizieren. Der Nürnberger Georg-Simon-Ohm-Hochschule ist zu wünschen, dass ihr Studienangebot ebenfalls ein großer Erfolg wird.

Der Autor Patrick Kraus studiert Maschinenbau in Nürnberg. Zum Sommer 2011 plant er den Wechsel ins Studienfach Technikjournalismus.

Gilt noch immer: „Feuern Sie Ihre PR-Leute“

Donnerstag, 27. Mai 2010

„Feuern Sie Ihre PR-Leute“, hat Bernd Ziesemer, ehemaliger Chefredakteur des Handelsblattes,  einen Beitrag aus dem Jahr 2000 überschrieben – und der Inhalt ist eine Dekade später unvermindert aktuell. Deshalb verweise ich auf den Text regelmäßig bei IHK-Seminaren zur Pressearbeit mittelständischer Unternehmen, bei denen ich als Dozent auftreten darf.

Ziesemer nannte eine Reihe von Gründen, mit denen sich sogenannte Kommunikationsfachleute für Pressearbeit disqualifizieren. Anhand von Beispielen aus PR-Texten von Unternehmen zeigte er auf, was Redakteure damals nervte – und was auch heute Ausschlussktriterien für gute Pressemitteilungen sind: nichtige Anlässe, fehlerhaftes oder geschwollenes Deutsch, mit englischen Ausdrücken gespickte Texte, nichtssagende Zitate, telefonisches Nachfassen, ob die Meldung auch veröffentlicht wird.

Kurz nach der Jahrtausendwende war er sicherlich genervt vom „Neuen Markt“-Hype gewesen. Wir erinnern uns, dass sich im Umfeld zahlreicher Börsengänge eine Flut schlecht formulierter, nichtssagender Unternehmens-Pressemitteilungen über die Redaktionen von Tageszeitungen und Fachzeitschriften ergoss.

Ein Jahrzehnt später ist es  nicht besser geworden. Internetportale, bei denen jedermann kostenlos Pressemitteilungen veröffentlichen kann, geben auch dem Nicht-Redaktionsmitglied einen Einblick in das, was aktuell von PR-Leuten verbrochen wird.

Ein Beispiel gefällig?

Den Text  Die NEUE S320-12 ist ein starker Typ mit starkem Auftritt vom 14. April 2010 fand ich im Portal www.pressemitteilung.ws.  Er beginnt mit  den Zeilen: „Erneut das HÖHEN – Limit nach oben verschoben hat Fa. H.A.B. aus Kronau. Mit der neuen S 320-12 stellt H.A.B. nochmals unter Beweis, was technisch machbar ist. Bereits seit Dezember letzten Jahres laufen die beiden ersten Geräte dieser neuen SUPER Serie und sind schon jetzt nicht mehr wegzudenken. “

Und? Wissen Sie, um was es geht (wenn Sie über die Versalien hinweggekommen sind)? Wie sollten Sie auch. Erst weitere zwei Sätze später kommt der Hinweis: „Zudem sind ALLE Hochregal – Bühnen von H.A.B. in VOLLER Höhe verfahrbar.“

Die Negativliste lässt sich leicht ergänzen

Zu Ziesemers Negativkriterien lassen sich bereits nach Lektüre dieses Textes noch weitere hinzufügen: Wer in seinem Text nicht verrät, um was es ihm geht – gehört gefeuert. Wer mit Großbuchstaben herumschreit und Ausdrücke wie „Super“ benutzt – gehört gefeuert.

Wer behauptet, eine Firma beweise mit einer neuen Hochregal-Bühne, „was technisch machbar ist“ – gehört gefeuert und noch einmal auf die Schule. Und wer glaubt,  dass es mitteilenswert sei, dass eine Hochregal-Bühne nicht mehr wegzudenken sei, der soll doch einmal zeigen, wie es möglich ist, auch nur eine Schraube „wegzudenken“. Man darf gespannt sein: Die Autorin bezeichnet sich selbst als „Journalistin, Psychologin, Dozentin“ – vielleicht kann sie das ja.

Beispiele für weitere Textkritik

Für Hinweise auf interessante Pressemitteilungen, Veröffentlichungen in Publikationen oder im Internet für eine Textkritik bin ich dankbar. Bitte mailen an blog@mehrblick-blog.eu.

F.  Stephan Auch

PR-Sprache – ein neuer Blog

Montag, 10. Mai 2010

„PR-Sprache“ – das Wort hat keinen guten Klang. Damit verbindet man werbende und verschleiernde Marketingtexte, die als „Pressemitteilungen“ verkleidet an Redaktionen versendet werden. Wo sie dann Journalisten nerven, die sie flugs in den Papierkorb befördern. „PR-Sprache“ wird auch in Geschäftsberichten, Unternehmenbroschüren und auf Internetseiten eingesetzt, um abzulenken und zu beschönigen. „PR-Sprache“ verwenden Werber, die sich auch „PR-Gags“ ausdenken.

„PR-Sprache“ und „Pressearbeit von Unternehmen“

Richtig verstandene und gut gemachte Pressearbeit kann für Unternehmen ein erfolgreiches Instrument sein, um auf Produkte, Dienstleistungen, Innovationen und andere Leistungen aufmerksam zu machen. Sachlich und informativ im Inhalt, journalistisch in der Sprache, interessant bei der Themenwahl unterstützen Pressetexte, Anwenderberichte, Journalistengespräche und Messepräsentationen den Vertrieb, die Imagebildung und das Verständnis über Unternehmen.  Erfolgreiche Pressearbeit liefert Informationen.

Der Leser wird für dumm verkauft

„PR-Sprache“ und die dahinter stehende Einstellung machen das Gegenteil:  Sie bauschen auf, lenken ab, täuschen vor. Der Leser soll nicht informiert, sondern geblendet werden. Wenn der Inhalt nicht überzeugt oder der Schreiber dies befürchtet, dann helfen nur noch Superlative. Die Haltung dahinter: Der Empfänger ist zu dumm, um die Bedeutung einer echten Nachricht zu erkennen, deshalb wird diese marktschreierisch überhöht. Gibt es einmal keine Neuigkeit zu vermelden, wird der dumme Leser das schon nicht merken, dafür werden geschraubte Formulierungen, nichtssagende Floskeln und reißereische Aussagen verwendet.

Was erfolgreiche Pressearbeit ausmacht

Ich halte Pressearbeit für wichtig, Unternehmen, die ich hierbei unterstütze, nutzen dieses Instrument erfolgreich. Mich stört es, wenn der Kontakt zu einem Journalisten deshalb mühevoll ist,  weil dieser schlechte Erfahrungen mit anderen Unternehmen gehabt hat. Das erschwert mir ein Stück weit die Arbeit – solange, bis ich den Journalisten davon überzeugt habe, dass er von Pressemitteilungen meiner Kunden einen Nutzen hat: Indem er dadurch Anregungen zu anderen Themen bekommt, Neues über Innovationen aus einer für ihn interessanten Branche erfährt, Beispiele erfolgreicher Problemlösungen kennenlernt. Denn wer sich auf Unternehmensseite dazu entschließt, Journalisten wie ein Dienstleister als Kunden zu behandeln, wird schnell eine gute Zusammenarbeit aufbauen können.

Wofür soll ein Blog „PR-Sprache“ gut sein?

Mir ist es wichtig, dass Unternehmen eine gute Sprache benutzen, wenn sie über Wirtschaft, Technik und Service berichten und sich an die Öffentlichkeit wenden. Leider gibt es genug Negativbeispiele, wo dies nicht der Fall ist. Mit diesem Blog möchte ich auf solche Mißstände aufmerksam machen, gleichzeitig aber auch positive Beispiele hervorheben und beides zur Diskussion und Kommentierung stellen. Damit sich vielleicht etwas ändert.

Über Hinweise, Beispiele, Anregungen und Ideen an  blog@mehrblick-blog.eu freue ich mich.