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Sprache in Wirtschaft und Technik

Suchmaschinenoptimierung

15. Mai 2018

B2B- und B2C-SEO: Wo liegen die Unterschiede?

von Simone Madre

 

Beim Vertrieb von Konsumgütern ist das Thema Suchmaschinenoptimierung, kurz SEO, fast schon ein alter Hut. Bereits Mitte der Neunziger versuchten Unternehmen, ihre Website durch die geschickte Wahl von Seitentiteln nach vorne zu bringen. Mittlerweile sind die Methoden deutlich ausgefeilter, und selbst kleine Einzelhändler besitzenoftmals eine SEO-Strategie. Die Gründe dafür leuchten ein: Im Netz lassen sich bequem Läden und Dienstleistungen suchen, Produkte vergleichen und meist direkt bestellen. Als Anbieter bei B2C-Geschäften (Business-to-Consumer) online schlecht auffindbar zu sein, wird immer mehr zum Wettbewerbsnachteil.

Als deutlich zaghafter beim Thema SEO zeigte sich bislang der Investitionsgütermarkt. Traditionellerweise stützt sich die Kundengewinnung bei Business-to-Business-Märkten stark auf Weiterempfehlungen bisheriger Geschäftspartner, Messen und Veranstaltungen, Artikel und Anzeigen in Print-Zeitschriften sowie persönliche Kontakte. Mittlerweile beantworten aber auch immer mehr B2B-Unternehmen die Frage „Brauchen wir SEO?“ mit einem klaren „Ja!“. Und das aus gutem Grund. Denn auch hier wird die Website als Informationsquelle und Kommunikationskanal immer wichtiger. Durch SEO kann man sich zudem einen Vorsprung zur Konkurrenz verschaffen – vor allem dann, wenn diese noch keine Optimierungsmaßnahmen betreibt.

Warum SEO sich auch für B2B-Geschäfte und Investitionsgüter lohnt

Zugegeben: Sonderlich gut ist die Bedeutung von Suchmaschinen und Websites in B2B-Geschäften nicht erforscht. Es fehlen groß angelegte Untersuchungen von unabhängigen Köpfen. Aber die Zahlen, die vorhanden sind, gehen ganz klar in eine Richtung.

Bereits 2012 nutzten laut der Studie eines Internetdienstleisters mit 317 Teilnehmern mehr als neun von zehn B2B-Kunden mindestens einmal täglich Onlinequellen, um sich über mögliche Anbieter zu informieren und gegebenenfalls direkt Produkte zu kaufen. Zudem hatten 94 Prozent der befragten Unternehmen innerhalb der zurückliegenden drei Monate mindestens dreimal online Aufträge vergeben. Darunter fanden sich bei knapp einem Viertel der Firmen sogar Investitionen, die einen Wert von 10.000 Euro überstiegen.

Eine weitere Untersuchung zum Thema stammt von der englischen Marktforschungsagentur McCallum Layton Research (heute Allto Consulting) und wurde 2014 unter 211 Business-Entscheidern durchgeführt. Sie ergab, dass die meistgenutzte Informationsquelle von B2B-Entscheidern die Website potentieller Lieferanten ist, deutlich vor den Empfehlungen von Kollegen oder dem Gespräch mit einem Vertriebsmitarbeiter.

2015 veröffentlichten Google und Roland Berger eine gemeinschaftliche Studie, für die sie immerhin knapp 3.000 deutsche Verkaufsmanager befragt hatten.

Zwei wesentliche Fakten daraus:

Wenn ein Entscheider zum ersten Mal einen Vertriebsmitarbeiter kontaktiert, sind 57 Prozent des Kaufprozesses bereits gelaufen. Das bedeutet: Wer nicht von Anfang an im Rechercheprozess sichtbar ist, hat es schwer, überhaupt mit potentiellen Kunden ins Gespräch zu kommen.

In Deutschland sind bereits über 40 Prozent der Mitarbeiter, die Entscheidungen beeinflussen, unter 35 Jahre alt. Sie gehören also zu den sogenannten „Digital Natives“, die sich im Internet wohlfühlen und Technologien intuitiv nutzen.

Wer im Netz nicht auffällt, kann also Probleme dabei haben, in der engeren Auswahl von B2B-Einkäufern zu landen. Anzunehmen ist, dass sich dieser Effekt noch verstärkt, wenn weitere Digital Natives auf Entscheidungspositionen nachrücken. Bereits jetzt zu optimieren, lohnt sich zudem stärker, als dies erst später zu tun: Da sich in vielen Nischen abseits des Massenmarktes nochwenige optimierten Seiten finden, kann man mit vergleichsweise geringem Aufwand Top-Platzierungen erreichen. Ziehen die Mitbewerber dann nach, ist das Wahrender eigenen Position deutlich einfacher, als sich durch SEO-Maßnahmen erst an die Spitze kämpfen zu müssen.

Auch im Maschinenbau setzen Unternehmen mehr und mehr auf SEO.

B2B und B2C: Unterschiede im Kaufprozess

Allerdings ist Vorsicht geboten: Nicht alle Methoden aus dem klassischen B2C-SEO lassen sich übernehmen. Da sich Marktstrukturen und Kaufprozesse deutlich voneinander unterscheiden, legen Suchmaschinen wie Google Wert auf andere Faktoren. Zudem wollen die Kunden, sobald sie auf die Website gelangt sind, auf eine spezifische Weise über Produkte und Dienstleistungen informiert werden.

B2C: Kunden wollen sich möglichst rasch informieren

  • Große Zielgruppe, meist Massenmarkt
  • Eher rasche Kaufentscheidung, teilweise Impulskäufe
  • Meist nur ein Entscheider
  • Umsatz wird über Masse an Kunden generiert
  • Vergleichsweise einfache Produkte mit wenig Erklärungsbedarf

Ein typischer Kaufprozess sieht hier so aus: Der Nutzer sucht bei Google nach einem bestimmten Begriff und klickt sich durch eine oder mehrere der bestplatzierten Seiten. Dabei vergleicht er Produkte, legt schließlich etwas in den Einkaufswagen und zahlt.

Demnach ist die Onlinemarketing-Strategie etwa folgende: die Seite gut auffindbar machen, den Besucher durch eine attraktive Gestaltung direkt zum Kauf bewegen oder ihn zumindest zum Wiederkommen veranlassen.

 

B2B: Vertrauens- und Reputationsaufbau ist Trumpf

  • Kleine Zielgruppe, großer Teil des Marktes ist bekannt
  • Oftmals langwierige Kaufentscheidungen, die Wochen und Monate, teilweise sogar Jahre in Anspruch nehmen können
  • Häufig mehrere Entscheider
  • Umsatz über wenige, große Aufträge
  • Komplexe Produkte mit hohen Kosten und Beratungsbedarf

Bei B2B-Geschäften, besonders bei Investitionsgütern, hat eine Kaufentscheidung typischerweise eine größere Tragweite und birgt ein größeres Risiko als bei B2C-Anschaffungen. Die Produkte sind teuer, werden lange eingesetzt und bringen unter Umständen Folgekosten durch Wartungen und Instandhaltungen mit sich. Außerdem sollen sie sich für das Unternehmen möglichst stark rentieren. Oftmals bindet sich eine Firma über den Kauf hinweg an den Anbieter, weil man beispielsweise an allen PCs die gleiche Software einsetzen will. Oder weil der Maschinenpark auf eine bestimmte Marke umgestellt werden soll, damit die Mitarbeiter leichter zwischen den Maschinen wechseln können.

Folglich wollen die Entscheider das Kaufrisiko minimieren, indem sie sich eingehend über Produkte und Alternativen informieren. Der Rechercheprozess sieht meist etwa so aus: Ein Nutzer erstellt anhand einer Google-Suche und bereits bekannten Zulieferern eine Liste mit möglichen Geschäftspartnern, sucht on- und offline nach Informationen und reduziert die Auswahl so auf wenige Kandidaten, von denen er Angebote einholt. Mehrere Mitarbeiter vergleichen diese schließlich, verhandeln mit den Firmen und entscheiden sich zu guter Letzt für einen Anbieter.

Informieren und beraten

Gefunden zu werden ist hier nur der Anfang. Es geht darum, sich als Unternehmen darzustellen, das auch komplexe Anforderungen überzeugend löst. Wenn der potentielle Kunde Vertrauen fasst, dann ist bereits viel gewonnen. Der Anbieter muss also umfängliche Informationen zur Verfügung stellen, aber gleichzeitig auch kompetent beraten und zum Beziehungsaufbau einladen. Greift der Entscheider schließlich zum Telefon oder schickt eine Anfrage ab, dann hat das Unternehmen einen Fuß in der Tür und kann im persönlichen Gespräch weiter vom Produkt überzeugen.

In Teil 2 des Blogbeitrags geht es um die konkreten Unterschiede in der Keywordauswahl, dem Linkaufbau und dem Tracking.

Kann man SEO-Ratgebern trauen?

15. Februar 2018

Woher Suchmaschinenoptimierer ihr Wissen nehmen

von Simone Danne

Die Optimierung von Webauftritten für Suchmaschinen, kurz SEO, ist im Netz ein großes Thema. Immer wieder sehe ich Blogartikel mit Schlagzeilen wie „Alles über SEO“ oder „Mit SEO in 5 Schritten bei Google auf Platz 1“. Zum Jahreswechsel waren dann Titel wie „SEO: Was Sie 2018 wissen sollten“ oder „SEO 2018 – die Jahrestrends“ ganz groß in Mode. Solche Überschriften versprechen viel und erwecken teilweise den Eindruck, Suchmaschinenoptimierung sei ein glasklares Geschäft – zumindest für die „Eingeweihten“, die jene Artikel verfassen.

Tatsächlich können derartige Texte dabei helfen, im schnelllebigen Geschäft der Online-Kommunikation nicht den Anschluss zu verlieren. Immer wieder ändern Suchmaschinenanbieter ihre Algorithmen; gleichzeitig wandeln sich die Nutzungsgewohnheiten der Surfer, während auf technischer Seite neue Websiteformate und Gestaltungsmöglichkeiten hinzukommen. Sich regelmäßig zu informieren ist also sinnvoll, und die meisten Inhalte hierzu finden sich wohl auf SEO-Blogs.

Was deren Autoren allerdings nicht immer verraten, ist, woher sie ihr Wissen haben. Warum sollte man ihnen glauben? Was ist dran an ihren Berichten und wie viel ist nur Gerücht?

Um sich im Blogdschungel gut zurechtzufinden und die wirklich relevanten Informationen für die eigene Optimierungsarbeit zu ergattern, sollte man sich erst einmal in Erinnerung rufen, welches die wesentlichen SEO-Informationsquellen sind: einmal die Auskünfte des Suchmaschinenbetreibers selbst, hier am Beispiel vom Platzhirsch Google, dann (wissenschaftliche) Untersuchungen, die typischerweise von SEO-Firmen durchgeführt werden, und die Erfahrungswerte oder das „Bauchgefühl“ von Suchmaschinenoptimierern.

Google als SEO-Wissensquelle: Grundlegende Informationen zur Website-Optimierung

Informationen, die Google selbst veröffentlicht, liefern vielleicht keine großen Geheimnisse oder den einen Tipp, mit dem eine Seite ganz schnell an die Spitze der Trefferliste rückt. Dafür kann man sie in jedem Fall als zuverlässig einstufen. Wie die Google-Algorithmen exakt funktionieren, hält der Konzern natürlich geheim. Dafür gibt er über verschiedene Kanäle Informationen für SEO-Experten und Websitebetreiber heraus.

Eine sinnvolle Einstiegslektüre für Neulinge ist der Startleitfaden zur Suchmaschinenoptimierung von Google, der Grundlagen und Best Practices knapp schildert. Aktuelle Informationen, sowohl für Einsteiger als auch Fortgeschrittene, liefert beispielsweise der Webmaster Central Blog. Hier berichten Mitarbeiter über anstehende oder bereits durchgeführte Änderungen in den Algorithmen und geben Tipps zur Anpassung von Websites, beispielsweise an die Mobile First-Indexierung. Ein zweiter Google-Blog in englischer Sprache ist Search. Hier liegt der Schwerpunkt nicht direkt bei SEO, sondern auf der Nutzersuche. Von Trendbegriffen aus dem vergangenen Jahr über Änderungen in der Gestaltung der Suche finden sich immer wieder potentiell relevante Informationen für die Websiteoptimierung.

Sehr bekannt und wohl eine der wichtigsten Google-Quellen ist der Webmasters-Kanal auf YouTube. Hier beantworten Google-Mitarbeiter spezifische Fragen zur Websitegestaltung und zur Weiterentwicklung des Algorithmus. Damit ist der Kanal quasi ein Muss, um beim Thema Google-SEO auf dem neuesten Stand zu bleiben.

Die (begrenzte) Aussagekraft von SEO-Studien

So viele nützliche Informationen Google auch preisgibt: Wenn man hinter den Vorhang sehen will, muss man aus anderen Quellen schöpfen. Natürlich kann dem Konzern nicht daran gelegen sein, die Funktionsweise seiner Algorithmen vollständig oder auch nur zu einem Großteil aufzudecken.

Eine wichtige Zweitquelle sind deshalb Korrelationsstudien, die meist von SEO-Agenturen und -Softwareanbietern durchgeführt werden. Typischerweise werden dabei Suchergebnisseiten für eine ganze Reihe an Keywords betrachtet, anschließend wird nach Mustern gesucht.

Wie findet man sich zurecht bei den unzähligen, zum Teil sogar widersprüchlichen SEO-Ratschlägen im Netz? Korrelationsstudien können dabei helfen.

Prinzipiell geht es um die Frage, wie sich die Top-Ergebnisse von schlechter platzierten Seiten unterscheiden. Das klingt erst einmal hervorragend, eine klare Antwort lässt sich so nur leider nicht finden. Bedingt wird das durch die Grenzen des Verfahrens an sich. Eine Korrelation, also ein statistischer Zusammenhang zwischen mehreren Merkmalen, bedeutet nicht, dass sich diese Merkmale auch gegenseitig bedingen (Kausalität).

Insbesondere, wenn so viele unterschiedliche Einflüsse zusammentreffen wie bei der Betrachtung von zig Webseiten, lassen sich keine klaren Rückschlüsse ziehen. Trotzdem sind Korrelationsstudien die beste Informationsquelle, die wir haben, um die Gesamtheit der Rankingfaktoren zu ergründen.

Entsprechende Whitepaper gibt es von verschiedenen Anbietern: Searchmetrics, ein Entwickler von SEO-Tools, bietet auf seiner Website beispielsweise aktuelle Korrelationsstudien für verschiedene Branchen (PDF nach  Registrierung). Toolanbieter Semrush hat eine Korrelationsstudie mit 17 Faktoren erstellt (PDF ebenfalls nach Registrierung), die Kurzfassung gibt es auf ihrer Website.

Auch vom Marketing-Blog Backlinko und Partnern gibt es entsprechende Daten, allerdings stammen diese aus dem Jahr 2016.

Erfahrung und Bauchgefühl von Suchmaschinenoptimierern als Quelle

Neben Studien und Google-Veröffentlichungen wird noch eine weitere Informationsquelle gern von SEO-Bloggern angeführt: Erfahrungswerte aus bisherigen Projekten oder auch das eigene „Bauchgefühl“. Auch das kann wertvolle Tipps und Hinweise liefern – wenn es sich beim Autor um einen kompetenten, seriös arbeitenden Optimierer handelt. Also um jemanden, der sich auf SEO spezialisiert hat und die Rankings von Kundenseiten mit seinen Methoden wahrnehmbar und langfristig verbessert. Nur leider lässt sich das vonseiten des Lesers nicht unbedingt ermitteln. Dann sollte man zumindest ein dickes Fragezeichen hinter die Erkenntnisse, Tipps und Tricks des SEO-Bloggers setzen.

Fazit: Wie lassen sich SEO-Informationsquellen bewerten?

Letztlich sind meiner Meinung nach bei der Bewertung neuer SEO-Strategien folgende drei Aspekte wichtig:

  • Quellen und Belege suchen und hinterfragen
    Ein guter SEO-Artikel nennt Quellen und belegt, warum Annahmen getroffen werden. Außerdem macht er klar, an welchen Stellen es sich lediglich um Annahmen handelt. Sind Studien zitiert, sollte der Leser deren Aufbau und die Art der Informationsgewinnung unter die Lupe nehmen. Nicht alles, was einen wissenschaftlichen Anstrich hat, liefert auch belastbare Ergebnisse. Und nicht alle belastbaren Ergebnisse lassen sich auf die eigene Situation übertragen. Ein Beispiel: Wie eine gute Webseite aussieht, ist heutzutage vermutlich unter anderem von der Branche abhängig – was für einen Finanzratgeber empfehlenswert ist, muss nicht gut für einen Maschinenbauer sein.
  • Nicht jeder Trend ist die Mühe wert
    Es lohnt sich nicht, jedem Trend hinterherzulaufen. Dass ein Blogger eine Optimierungsstrategie über den grünen Klee lobt, bedeutet noch nicht, dass diese bei der eigenen Homepage einen messbaren Effekt erzielen würde. Wenn an einer anderen Stelle ein gravierender Fehler vorliegt, etwa die Antwortzeit des Servers extrem lang ist oder ein unseriöses Backlinkprofil besteht, dann bringt selbst der beste Ratschlag zur Website-Strukturierung nichts. Und wenn der Tipp an sich bereits schlecht ist, beispielweise weil mit dubiosen Mitteln gearbeitet wird, dann kann das Ergebnis sogar eine Abstrafung durch Google sein. Wichtiger als die Umsetzung vieler neuer SEO-Ideen ist es daher, erst einmal ein solides Fundament zu schaffen.
  • Google-Wissen bleibt die Grundlage
    Für diese Basis sollten die Informationen zum Algorithmus genutzt werden, die Google selbst uns zur Verfügung stellt. Wichtige Schlagworte sind hier ein nützlicher und einzigartiger Content, eine gute Bedienbarkeit, besonders auch an Mobilgeräten, und eine regelmäßige Pflege der Seite: eben alles, was beim Besucher für Zufriedenheit sorgt. Die Suchmaschine arbeitet kontinuierlich daran, solche Inhalte zu identifizieren und wird besser und besser darin. Zudem sollte auf alles verzichtet werden, was gegen die Google-Qualitätsrichtlinien verstößt. Damit ist man als Optimierer auf der sicheren Seite.

Economix – Der Wirtschaftserklärcomic

20. September 2016

Von Simone Danne

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Wie erklärt man ein umfangreiches, schwieriges Thema? In der Fachliteratur meistens mit einem umfangreichen, schwierig zu lesenden Buch. Am besten mit verschachtelten Sätzen, die sich vor dem entsetzen Blick des Lesers über halbe Seiten ziehen. Oder überladen mit Fachvokabular, so dass man am Ende mehr Zeit mit Nachschlagen als mit dem tatsächlichen Lesen verbracht hat. Wird das Wissen für Schule, Studium oder Beruf dringend benötigt, dann nimmt man solche Strapazen durchaus auf sich. Freizeitlektüre und Sachbücher, die man aus Interesse liest, sollten aber anders gestaltet sein.

Das fand auch der amerikanische Schriftsteller Michael Goodwin. Sein Ziel: Unterhaltsam über Wirtschaftsgeschichte und -theorie informieren und dabei aktuelle Zusammenhänge herausstellen. Er sieht Ökonomie als ein Thema, das zwar tief in das tägliche Leben hineinreicht, über das jedoch wenige wirklich Bescheid wissen – oftmals, weil es zu komplex erscheint oder weil vorhandene Fachbücher es langweilig und trocken darstellen.

Comic als Erklärhilfe

Goodwins Idee: Auf komplizierte mathematische Formeln verzichten und stattdessen die großen Zusammenhänge aufzeigen. Und das Ganze „in der am leichtesten zugänglichen Form“, die ihm bekannt sei – als Comic. Dazu holte er sich den Illustrator Dan E. Burr ins Boot und schuf mit ihm zusammen fast 300 Seiten Text und Bilder. Unter dem Titel: „Economix. Wie unsere Wirtschaft funktioniert (oder auch nicht)“ erschien das Buch 2013 in Deutschland. Angefangen beim Merkantilismus des 17. Jahrhunderts bis zu den heutigen Ausprägungen der Markwirtschaft schildert es die Geschichte der Ökonomie. Dabei erklärt Goodwin sowohl die Grenzen bekannter Marktmodelle als auch die Finanzkrise 2008 oder Probleme mit Obamas Krankenversicherungsreform. Abgerundet wird diese Darstellung durch ein praktisches Glossar und ein Stichwortverzeichnis, mit dessen Hilfe man zu Schlagwörtern wie „Skaleneffekte“, „Antizyklische Maßnahmen“ und „Komparativer Kostenvorteil“ gleich die passende Comicseite findet.

Der Schwerpunkt der Erläuterungen liegt klar auf den USA, immerhin dem Land, das der Autor am besten kennt und das nach wie vor eine der größten Wirtschaftsmächte der Welt ist. Vor allem über die Politik diverser US-Präsidenten, das Zentralbanksystem und die Macht der Wall Street lernt man viel. Ergänzende Informationen erhält der Leser durch Anmerkungen des Übersetzers Edmund Jacoby, der immer wieder auf Ähnlichkeiten und Unterschiede zu europäischen Systemen hinweist.

Einprägsame Erklärungen und humorvolle Illustrationen

Und wie steht es nun mit der Lesbarkeit von „Economix“? Zumeist sehr gut. Ob anhand von selbst gewählten Beispielen oder Diagrammen, seine Erklärungen von Wirtschaftsprinzipien sind anschaulich und schaffen immer wieder einen Aha-Effekt. Die schwierigste Kost sind allemal die Originalzitate berühmter Denker, die er gelegentlich einstreut.

Fast schon im Plauderton schildert Goodwin, wie ein Handelsdefizit entsteht und wie das Aufkommen des Internets die Märkte beeinflusste. Dabei lässt er immer wieder Menschen zu Wort kommen: Bürger, Politiker, Konzernchefs, Wirtschaftsberater und Aktienspekulanten bevölkern die Comicseiten.

Lebendig werden diese Figuren durch die liebevoll gestalteten Schwarz-Weiß-Bilder des mehrfach prämierten Illustrators Dan E. Bur. Er zeichnet glückliche Familien, Arbeitslose mit zerschlissener Kleidung, wohlhabende Firmenbesitzer mit runden Gesichtern und würdevolle Finanzexperten im Nadelstreifenanzug. Dabei karikiert er gerne: Sklavenhändler geifern und haben Hasenzähne, Großunternehmer erkennt man an Zylinder, Geldsack und Zigarre und Investitionen werden mit dem Feuerwehrschlauch verteilt. Diesen Stil muss man sicherlich mögen, um den Comic gut zu finden. Dann aber entdeckt man in seinen Darstellungen viel Grund zum Schmunzeln.

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Das Thema „Vollbeschäftigung“ (Aus ECONOMIX Seite 143 © GoodwinBur, auf Deutsch erschienen beim Verlagshaus Jacoby & Stuart GmbH, www.jacobystuart.de)

Enthusiastisches Vorwort von Rudolf Hickel

Goodwins Idee, einen Comic zu gestalten, stieß auf große Resonanz: In den USA schaffte er es im Erscheinungsjahr 2012 auf Platz 5 der New York Times-Bestsellerliste, in Europa berichteten selbst große Zeitungen wie Le Monde und die Süddeutsche. Auch die Verkaufszahlen sind anscheinend recht ordentlich, denn die deutschsprachige Version ist mittlerweile in der fünften Auflage erhältlich – mit einem enthusiastischen Vorwort des Wirtschaftswissenschaftlers Rudolf Hickel. „Die hier klug ausgeschöpften Möglichkeiten einer Darstellung in Text und Illustration provozieren sicherlich die bierernste Lehrbuch-Ökonomik im deutschsprachigen Raum“, schreibt er. „Die Aufklärungsleistung ist einfach brillant. Davon kann die traditionelle, ätzend langweilige und auf Paukwissen reduzierte Lehrbuchökonomik nur lernen.“

Kritik am Kapitalismus

Trotz allen Lobes: Kann der Comic ein so weitreichendes Thema wie Wirtschaft in nur dreihundert Seiten abdecken? Nein, das kann er nicht. Und das ist auch nicht Goodwins Ziel. Sein Buch ist eher als Übersicht zu verstehen und soll den Leser dazu bringen, sich selbst weiter zu informieren. Das merkt man vor allem in der modernen Geschichte, wenn er komplexe Themen wie den Nationalsozialismus oder die Entwicklung der indischen Wirtschaft seit 1957 mit jeweils einer Doppelseite abhandelt.

Und auf noch etwas weist der Autor zur eigenen Absicherung mehrfach hin: Seine Erläuterungen sind von persönlichen Blickwinkel geprägt. Spätestens ab Mitte des 20. Jahrhunderts bezieht er deutlich Position und übt scharfe Kritik an der Wall Street, den engen Verflechtungen von Politik und Wirtschaft (Stichwort: Finanzierung von Wahlkampagnen) und einem – seiner Meinung nach – entfesseltem Kapitalismus. Er wendet sich gegen das Zerschlagen von Firmen für den schnellen Profit, erzählt von teilweise wahnwitzigen Aktienspekulationen, wie sie etwa zur Immobilienblase 2008 geführt haben, von Briefkastenfirmen auf den Cayman Inseln und von menschenverachtenden Arbeitsbedingungen in den Sweat Shops der Dritten Welt.

Somit scheint das Buch geradewegs einem deprimierenden Schluss entgegen zu laufen. Aber das ist dann doch nicht Goodwins Absicht. Stattdessen fordert er den Leser auf, sich weiter zu informieren und selbst aktiv zu werden, wenn er etwas an den Zuständen ändern will.

Mit dem Buchprojekt war es für den Schriftsteller übrigens nicht vorbei: Auf der Seite http://economixcomix.com/ veröffentlicht er weiterhin Comics zu aktuellen Themen wie Sozialversicherungen, Netzneutralität oder TTIP – stets unterstützt von Dan Burr und mit einem Aufruf zum Handeln.

 

Braucht eine moderne B2B-Kommunikation Videos?

11. Mai 2016

von Simone Danne

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Aus dem Business-to-Consumer-Bereich sind Videos seit einigen Jahren nicht mehr wegzudenken. Ungewöhnliche Werbespots wie der „Supergeil“-Clip von Edeka entwickeln sich zu einem viralen Hit, YouTube verzeichnet täglich mehrere Milliarden Abrufe und bei Facebook werden Videos als so wichtig eingestuft, dass sie beim Scrollen durch den Newsfeed automatisch abgespielt werden.

Für den Business-to-Business-Bereich schienen sie bislang eine deutlich geringere Relevanz zu haben. Vor allem in Branchen wie dem Maschinenbau, die als eher bodenständig und konservativ gelten, passten sie als Kommunikationsinstrument irgendwie nicht recht ins Bild. Hin und wieder stolperte man über den einen oder anderen Unternehmensfilm, aber darüber hinaus gab es wenig Bewegtbilder zu sehen.

Allmählich lässt sich ein Umschwung erkennen: Immer mehr Unternehmen, darunter selbst kleine mittelständische Firmen, haben einen eigenen YouTube-Kanal oder nutzen Videoclips auf ihrer Webseite. Sie bewerben eigene Produkte, betreiben Messeberichterstattung oder geben einen tieferen Einblick in den Arbeitsalltag ihrer Angestellten. Aber lohnt sich das für sie? Und wie sieht eine Videostrategie aus, die Unternehmen auf dem B2B-Markt voranbringt?

Videos vermitteln, was Texte und Bilder nicht zeigen können

Um als Kommunikationsmittel profitabel zu sein, müssen Videos der B2B-PR natürlich Vorteile bieten, die sie von anderen Medienarten abheben. Einer davon liegt klar auf der Hand: Filme vermitteln Informationen, die eine Pressemitteilung aus Text und Bildern nur schwer transportieren kann. Dazu gehören sachliche Aspekte – etwa wie sich eine Maschine im Betrieb bewegt, wie schnell die Produktion eines Teils vonstattengeht und wie die Bedienung genau funktioniert.

Da sie zwei Sinne gleichzeitig bedienen, fällt zudem die Informationsdichte höher aus. Wenn es um das Aussehen einer Fräsmaschine geht, lässt sich entweder Wort für Wort beschreiben, welche Ausmaße sie hat, wie sie aufgebaut ist und was sich hinter dem Sichtfen
ster abspielt – oder man zeigt ebendiese Maschine kurz. Dabei kann man verschiedene Perspektiven kombinieren und wichtige Details in Nahaufnahme zeigen. Zusätzlich benötigte technische Daten wie die exakte Stellfläche lassen sich gegebenenfalls einblenden.

Neben der reinen Informationsvermittlung wird auch der Transport von Emotionen und abstrakten Konzepten einfacher. Das ist vor allem bei sogenannten Imagevideos wichtig, die eine Firma vorstellen und sie positiv im Gehirn des Zuschauers verankern sollen. Eine reine Vermittlung von Daten, wie etwa der Größe und der Geschichte des Unternehmens, wirkt hier schnell fade und langweilig. Mit ungewöhnlichen oder beeindruckenden Bildern, der geschickten Wahl von Einstellungen und der passenden Musikuntermalung lassen sich Inhalte emotional aufladen. Ein netter Zusatzeffekt: Informationen, die wir mit Gefühlen verbinden, bleiben besser im Gedächtnis verhaftet.

Verkaufsentscheide werden von Gefühlen beeinflusst

Dass Videos Gefühle vermitteln und auslösen können, scheint für die Verkaufsprozesse im B2B-Geschäfte erst einmal wenig relevant zu sein. Aber selbst bei der Planung und Abwicklung von Investitionen in Millionenhöhe entscheiden Einkaufsgremien nicht rein vernunftbasiert. Weil eine immer größere Informationsmenge zur Verfügung steht und die Käufer unmöglich über alle Angebote gleich gut informiert sein können, spielen auch das Bauchgefühl und der Eindruck vom Anbieter eine immer größere Rolle. Wer sich erfolgreich als sympathisch und kompetent in den Köpfen seiner potentiellen Kunden festsetzt, hat ein deutlich einfacheres Spiel als ein Konkurrent, der sich auf seiner Website nur mit nüchternen Sell-Sheets und 0815-Produktfotos präsentiert.

Videos können das Content Marketing deutlich voranbringen

Kunden wirksam an sich zu binden und die Zielgruppe für die eigenen Produkte zu begeistern: Das ist das Ziel jeder Marketingabteilung. Als effektives Instrument gilt aktuell das „Content Marketing“. Statt direkt für spezielle Produkte oder Dienstleistungen zu werben, bietet es den Nutzern einen Mehrwert. Im B2B-Bereich ist dies oftmals eine Hilfestellung im Investitionsprozess, es gibt aber auch rein unterhaltende Inhalte. Die Absicht ist in jedem Fall, dass die potentiellen Kunden den „Content“ so hochwertig und empfehlenswert finden, dass sie ihn verbreiten und so die Markenbekanntheit steigern. Erst wenn ein potentieller Kunde von der Produktlösung begeistert ist, werden seine Kontaktdaten an den Vertrieb weitergegeben.

Als Instrumente des Content Marketings kommen prinzipiell alle gängigen Kommunikationsmittel infrage: Infografiken, White Papers, selbstproduzierte Studien, Blogs und Events. Im Marketingmix sollten aber auch Videos nicht fehlen. Sie können Textformate wie zum Beispiel Tutorials und Ratgeber ersetzen und um weitere Informationen erweitern. Außerdem werden Videos gerne geklickt – sowohl bei sozialen Netzwerken als auch auf Unternehmenswebsites, wo sie eine erfrischende Abwechslung zu Texten und Bildern bieten.

Dass sich die Inhalte gut verbreiten lassen, ist einer der wichtigsten Faktoren für den Erfolg einer Content-Marketing-Strategie. Denn sie sollen schließlich nicht nur Kunden erreichen, die sowieso die Seite besuchen, sondern durch eine breite Streuung über Facebook und Co. dafür sorgen, dass Nutzer erstmals auf die Seite finden.

Social Media fördern Bewegbild

Vor allem Facebook fördert den Videokonsum momentan sehr stark, unter anderem durch die Funktion des automatischen Abspielens im Newsfeed, durch Empfehlungen und durch die Möglichkeit, Clips zum späteren Ansehen zu speichern. Im November 2015 verkündete CEO Mark Zuckerberg, dass die Plattform pro Tag über acht Milliarden Videos an seine Nutzer ausliefere. Sechs Monate zuvor waren es noch etwa halb so viele.

Auch Google und die Tochtergesellschaft YouTube verschaffen Filmanbietern Vorteile. Die Existenz von Videos auf einer Internetseite ist für die Suchmaschine ein wichtiges Qualitätssignal, weil ihnen ein großer Nutzwert für die Besucher zugeschrieben wird. Deswegen verbessern Videos die Positionierung in der Google-Suche. Zudem stellt Google in der Ergebnisliste seiner allgemeinen Suche oftmals ein oder mehrere Clips an sehr prominenter Stelle dar. Dies dürfte deren Klickzahlen deutlich in die Höhe treiben.

YouTube wiederum macht es Websitebetreibern ganz einfach, Videos in den eigenen Internetauftritt einzubinden. Durch das Einfügen eines Stückchen Codes erspart man sich den eigenen Video-Player und der Unternehmensserver wird entlastet, da der Film nicht dort abgerufen wird, sondern direkt bei YouTube.

Auf dem Videoportal selbst besteht die Chance, Nutzer über einen Link im Beschreibungstext auf die eigene Seite zu locken. Außerdem lässt sich die Markendarstellung eines Unternehmens über einen YouTube-Kanal so gut steuern wie mit kaum einem anderen Kommunikationsmittel. Denn die Seite erreicht nach eigenen Angaben mit über einer Milliarde Anwendern fast ein Drittel aller Internetnutzer.

Reichweite kann Produktionskosten ausgleichen

Ob über ein Videoportal oder andere soziale Netzwerke: Mit etwas Glück und einer guten Marketingstrategie verbreiten sich eigene Clips „viral“, werden also von Internetnutzern geteilt und weiterempfohlen, so dass sie ohne weiteres Zutun des Unternehmens ein immens großes Publikum erreichen.

Für den B2B-Bereich ist so etwas bislang untypisch, weil die Zielgruppe deutlich kleiner ist als im B2C-Bereich. Die zunehmende Popularität von Filmen und ihre potentiell weiträumige Verteilung sind trotzdem wichtige Faktoren für die Kosten-Nutzen-Analyse.

Auf der einen Seite der Betrachtung stehen die Ausgaben, die je nach Art, Länge und betriebenem Aufwand deutlich größer sein können als bei anderen Marketinginstrumenten. Teuer sind sogenannte „Hochglanzproduktionen“ mit professionellem Drehbuchautor, Kamerateam und Schauspielern. Einfach produzierte Videos wie Reportagen, Interviews oder Tutorials kosten nur einen Bruchteil der Summe.

Auf der anderen Seite stehen die Vorzüge von Bewegtbild: die Attraktivität, der Vermittlungsreichtum und die mögliche Reichweite. Wie groß der Nutzen eines Clips für ein Unternehmen sein wird, lässt sich im Vorfeld kaum abschätzen. Generell lässt sich aber sagen: Wenn ein Video nicht überzeugt, ist es selbst bei billigster Machart keine lohnenswerte Investition. Wenn ein Film es aber schafft, seine Zielgruppe zu begeistern, kann auch das aufwändigste und luxuriöseste Projekt eine lukrative Maßnahme sein.

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Mit der Wahl des richtigen Videoformats und der Erstellung eines Drehkonzepts sind schon zwei wichtige Schritte in Richtung „erfolgreiches B2B-Video“ getan.

 

Imagefilm, Produktfilm und Tutorial: wie B2B-Filme aussehen können

Je nach Kommunikationsziel eignen sich unterschiedliche Formate am besten. Einen kleinen Überblick über die verschiedenen Wirkungsmöglichkeiten gibt die folgende Liste:

  • Image- oder Unternehmensfilme sollen die Marke erlebbar machen und dem Zuschauer ein möglichst positives Bild vom Charakter des Unternehmens vermitteln. Dabei liegt der Fokus eher auf der Erzeugung von Emotionen als auf der Weitergabe von Informationen. Konkrete Angebote und Dienstleistungen einer Firma werden in der Regel nicht thematisiert.
  • Der Produktfilm ist deutlich informativer angelegt. Auch er weckt idealerweise Begeisterung für die Firma und macht neugierig auf mehr, allerdings steht hier die Verkaufsabsicht im Mittelpunkt. Das Produkt und seine Eigenschaften werden genau beschrieben. Das kann die klassische Produktinformation ersetzen, oft werden aber beide Formate eingesetzt: das Video für die Produktvorstellung über die verschiedenen Internetkanäle und auf Messen, auf der Webseite sowohl der Film als auch der Text als Überblick.
  • Tutorials als „verfilmte Anleitungen“ vermitteln, wie ein Produkt bedient wird und sprechen damit sowohl Interessenten an, die einen ersten Eindruck gewinnen wollen, als auch Anwender, die für ein akutes Problem eine Lösung suchen. Damit wird nicht nur der Kundendienst entlastet, auch der Benutzer profitiert von der schnellen Hilfe. Verglichen mit Anleitungen in Form von Text und Bildern kann das Video die Handgriffe besser zeigen und erläutern, die der Nutzer zur Problemlösung erledigen muss.
  • Reportagevideos als Alternative zum klassischen Unternehmensfilm sind journalistisch gehalten. Statt Szenen nachzustellen, werden Mitarbeiter bei der Arbeit gefilmt und Interviews mit Mitarbeitern, Geschäftsführern oder Kunden geführt, wobei persönliche Erfahrungen mit der Firma beziehungsweise dem Produkt thematisiert werden. Sowohl Dreh als auch Postproduktion sind mit vergleichsweise wenig Aufwand verbunden. Gerade deswegen wirkt das Endprodukt oft authentischer als ein aufwändiger Imagefilm.

Daneben gibt es viele weitere Videoformate, zum Beispiel Interviews mit Experten, Event-Rückblicke oder Anwenderporträts. Jedes Format hat seine Anwendungsfälle, keines ist ein „Allrounder“, der für jedes Kommunikationsziel eingesetzt werden kann.

Video-Marketing kann auch schiefgehen

Manchmal scheitert der Versuch, ein erfolgreiches Video-Marketing aufzubauen. Für viel Geld werden aufwändige Filme produziert, auf der eigenen Website und einem Zusatzkanal wie YouTube oder Vimeo hochgeladen – nur die Klickzahlen bleiben aus. Die ganze Mühe rechnet sich nicht. Gründe hierfür kann es viele geben: Der Clip wird über die Suche zu schlecht gefunden, das Drehkonzept war unzureichend ausgearbeitet, die Macher haben sich zu wenig am Nutzer orientiert oder die Verbreitung über Social Media lief nicht rund. Ohne gute Vorkenntnisse oder die Hilfe von Experten aus den benötigen Teilbereichen Konzeption, Dreh, Schnitt und Verbreitung hat selbst ein Video, in dem sehr viel Herzblut steckt, kaum Chancen auf eine große Resonanz.

Ohne Optimierung verpufft ein Video ohne Erfolg

Vor allem der Aspekt der Suchmaschinenoptimierung wird oft unterschätzt. Das fängt bei Filmen, die auf Videoportalen wie YouTube eingestellt werden, schon bei der Titelwahl an. Wer eine Bohrmaschine sehen will, gibt in der Suche wohl kaum einen bestimmten Produktnamen ein, sondern das Schlagwort „Bohrmaschine“, vielleicht in Kombination mit gewünschten Eigenschaften. Ein Video mit einem Produktnamen als Titel wird bei dieser Anfrage nicht gefunden.

Neben dem Namen ist auch ein interessantes Standbild wichtig, das zum Klicken einlädt. Dieses kann bei YouTube aus drei Vorschlägen gewählt oder selbst erstellt werden. Außerdem sollte der Kanalinhaber die Möglichkeit einer Zusatzbeschreibung nutzen, die unter dem Video angezeigt wird. Hier sollte der Link zur Firmenhomepage stehen. Darunter folgt am besten ein ausformulierter Text, der Informationen zum Clip liefert und dabei alle relevanten Schlagwörter zum Thema enthält. So kann die Plattform den Film gut einordnen und er wird über die Suche besser gefunden.

In welcher Form Google die Länge und die Auflösung als Bewertungskriterien heranzieht, ist nicht ganz klar. Ein Video, das für Nutzer attraktiv ist und hohe Klickzahlen erzielt, ist jedoch typischerweise weder sehr kurz noch sehr lang, sondern bewegt sich in einem Bereich um die zwei bis drei Minuten. So lange halten üblicherweise das Interesse und die Aufnahmefähigkeit der Zuschauer an.

Sinnvoll ist es auch, Filme in möglichst hoher Auflösung zu produzieren. Mittlerweile gilt „High Definition“, also 1920 x 1080 Pixel, im Internet beinahe als Standard. Bei der Wahl des Seitenverhältnisses empfiehlt sich das Format 16:9, auf das der Videoplayer bei YouTube ausgelegt ist.

Ist all dies erledigt, sollte ein neuer Film über soziale Netzwerke „promotet“ werden, um ihm mehr Reichweite zu verleihen, also von einem Konto mit vielen Followern aus gepostet und beworben werden. Ist eine bestimmte Anzahl an Klicks erreicht, verbreitet er sich oft von alleine gut weiter.

Mit Wissen zum Erfolg

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass im B2B-Bereich die Relevanz von Videos für den Kundenerwerb und die Kundenbindung stetig zunimmt. Obwohl eine professionelle Produktion je nach Format und Ansprüchen des Unternehmens teuer werden kann, ist das Verhältnis von Kosten und Nutzen oftmals besser als bei anderen Maßnahmen, die über eine deutlich geringere Reichweite verfügen. Zudem kann auch ein günstig produziertes Video einen großen Effekt entfalten.

Damit ein Film allerdings viele Menschen erreicht, muss er nicht nur technisch und inhaltlich einwandfrei gemacht sein, sondern auch gezielt verbreitet werden. Wenn man dies schafft, erhält man ein Marketingprodukt, das den entscheidenden Wettbewerbsvorteil liefern kann.

 

Linkliste

Beliebte Video-Formate und ihre Kommunikationsziele: http://t3n.de/news/b2b-marketing-video-575783/

Suchmaschinenoptimierung für Videoclips: https://de.onpage.org/wiki/Video_Optimierung

Beliebteste Videoplattformen in Deutschland: http://de.statista.com/statistik/daten/studie/209329/umfrage/fuehrende-videoportale-in-deutschland-nach-nutzeranteil/

Überblick über neue Videofunktionen, die Facebook testet (englisch): http://newsroom.fb.com/news/2015/10/testing-new-video-experiences/#

 

 

Blablameter – ein Heißluftdetektor wird vier Jahre alt

01. März 2016

von Simone Danne

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Hohle Phrasen, aufgeblähte Sätze, unnötig komplizierte Satzstrukturen: Manche Texte sind einfach nur unangenehm zu lesen. Wissenschaftler versuchen, sich mit Fremdwörtern und Bandwurmsätzen zu schmücken, Politiker reden um den heißen Brei herum, und Werber – nun ja, darüber wurde sich auf diesem Blog ja schon häufiger beklagt. Ein Webentwickler hatte vor mehr als vier Jahren genug. Seine Lösung: Er entwickelte eine Internetseite, die überflüssiges Wortgeklingel auf einen Schlag aufdeckt – den Blablameter.

Die Website ist simpel aufgebaut: Text einfügen, auf „Testen“ drücken, und schon erscheint ein Indexwert und eine passende Botschaft.

Die kann so aussehen…

„Ihr Text zeigt schon erste Anzeichen heißer Luft. Für Werbe- oder PR-Sprache ist das noch ein guter Wert, bei höheren Ansprüchen sollten Sie vielleicht noch ein wenig daran feilen.“

… oder bei schlechteren Texten auch einmal so:

„Sie müssen PR-Profi, Politiker, Unternehmensberater oder Universitätsprofessor sein! Sollten Sie eine echte Botschaft transportieren wollen, so erscheint es fraglich, ob diese Ihre Leser auch erreicht.“

Über die genaue Funktionsweise seines Algorithmus bewahrt der Webentwickler Bernd Wurm natürlich Stillschweigen. Er verrät aber, dass ein übermäßiger Nominalstil als schlecht angesehen wird. Dazu kommt eine „Schwarze Liste“ an bestimmten Wörtern und Formulierungen, die ebenfalls eine schlechtere Wertung auslösen. Dass sich das Wort „effizient“ darunter befindet, hat Wurm preisgegeben, der Großteil aber bleibt im Dunklen. Inhalt und Aufbau der Texte werden nicht geprüft. Der sinnfreie Spaßtext oder das Boulevardblatt mit seinen einfachen, prägnanten Sätzen kann also auch Top-Werte erzielen.

Hochwertige Texte gehören zur Suchmaschinenoptimierung

Relevant ist Blablameter trotzdem: Und zwar nicht nur, um seine eigenen Texte besser lesbar zu machen, sondern auch in punkto Suchmaschinenoptimierung. Dass Google über einen Algorithmus verfügt, der die Qualität von Websitetexten zu messen versucht, ist schon länger bekannt.

John Mueller vom Schweizer Google-Team schrieb 2014: “Es gibt keine minimale Länge oder Anzahl an Artikeln, die man täglich posten muss, nicht einmal ein Minimum an Seiten auf einer Website. In den meisten Fällen ist Qualität besser als Quantität. Unsere Algorithmen versuchen ausdrücklich Websites zu finden und zu empfehlen, die einzigartige Inhalte von hoher Qualität bereitstellen, die für Nutzer unwiderstehlich sind. Füllt eure Seiten nicht mit Inhalt von geringer Qualität, stellt stattdessen lieber sicher, dass eure Seite die beste ihrer Art ist.“ (Übersetzung durch die Autorin).

Link: https://productforums.google.com/forum/#!topic/webmasters/ZOfwb2gaOeo/discussion

Und auch die Betreiber von Blablameter erzählen von Stichprobentests, bei denen Websites mit guter Google-Platzierung häufig auch niedrige Indexwerte erzielt hätten.

Schlechte Texte sprengen die Skala

Für den Test eigener Ergüsse auf heiße Luft braucht man mindestens drei bis fünf Sätze, ab einer Länge von 15.000 Zeichen wird der Rest einfach abgeschnitten. So lassen sich eigene Texte, von der Kurzmeldung bis zur Magisterarbeit (diese allerdings in Häppchen unterteilt), relativ schnell prüfen und auch einzelne schlecht formulierte Passagen sind schnell auffindbar.

Die Indexskala bewegt sich prinzipiell zwischen 0 und 1. Je höher der Wert, desto auffälliger die Phrasendrescherei. Laut Wurm erhalten gute journalistische Artikel eine Bewertung zwischen 0.1 und 0.3. Mehr deutet auf heiße Luft hin, weniger kann bedeuten, dass der Text stilistische Mängel aufweist. Krasse Fälle von PR-Sprache und bandwurmhaften Wissenschaftstexten können die Grenze nach oben aber auch durchbrechen, die höchsten bisher gemessenen Werte liegen laut Wurm sogar noch über 2.0.

Grund genug, seine eigenen Schöpfungen mal durchzuchecken. Dieser Blogbeitrag erzielt übrigens einen Wert von 0,19 und zeigt damit „nur geringe Hinweise auf ‘Bullshit‘-Deutsch“. Puh, noch mal Glück gehabt…

Deutsche Bahn kreativ: Eine tolle Geburtstagsüberraschung

10. Juli 2014

Vermutlich, da ich (ein guter) Kunde der Deutschen Bahn bin, bekam ich  wenige Tage vor meinem Geburtstag eine E-Mail vom „Team der Deutschen Bahn“ mit folgendem Inhalt:

„Sehr geehrter Herr Auch, Ihr Geburtstag rückt immer näher und unsere Vorbereitungen laufen schon auf Hochtouren. Eine tolle Überraschung wartet auf Sie: Klicken Sie hier und helfen Sie uns ein wenig bei der Planung. Wir bedanken uns schon vorab für Ihre Unterstützung und stürzen uns sogleich in die Vorbereitungen für Ihre Geburtstagsüberraschung. Wir zählen schon die Tage.“

Das hat mich neugierig gemacht: Die Bahn “auf Hochtouren”. Sie “stürzt sich in die Vorbereitungen für eine Geburtstagsüberraschung.” Für mich!

Beim Klick auf den angegebenen Link erwartete mich folgende Seite mit der Bitte, vertrauensvoll die angegebenen Fragen zu beantworten:

Geburtstagsvorbereitungen Bahn

Am Geburtstag kam dann – ebenfalls per E-Mail – allerdings nur noch „eine kleine Aufmerksamkeit“: Das Papiermodell eines ICEs mit Namenszug,  blauen Ballons (wg. Lieblingsfarbe) vor einer Skyline (wg. Urlaubstyp)  – zum  Ausdrucken und Basteln, dazu die „Rezeptidee“ meiner Wunschtorte, die ich mir dann selber backen darf. Geburtstagsüberraschung Bahn

 

Kreativität, die  sprachlos macht.

Ich weiß schon, was ich mir nächstes Jahr wünsche: Weniger Kiki.

Schöne neue PR-Welt – Unternehmen manipulieren Wikipedia

30. Juni 2014

von Christina Deinhardt

Unternehmen manipulieren gezielt Einträge in Wikipedia. Das ist das Fazit der Studie „Verdeckte PR in Wikipedia – Das Weltwissen im Visier von Unternehmen“, erschienen bei der Otto Brenner Stiftung. Jeder kann bei dem Online-Lexikon mitarbeiten und somit ist es auch für bezahlte PR-Leute ein Leichtes, unliebsame Informationen zu überarbeiten. Wie viele dieser Eingriffe unentdeckt bleiben, ist schwer abzuschätzen, doch einige der mittlerweile aufgedeckten Fälle standen sogar über mehrere Monate auf der Seite.

"Verdeckte PR in Wikipedia": eine Studie der Otto Brenner Stiftung.

„Verdeckte PR in Wikipedia“: eine Studie der Otto Brenner Stiftung.

Längst hat Wikipedia die gedruckte Version der Brockhaus Enzyklopädie vom Markt verdrängt. Es ist kein Wunder, dass immer mehr Menschen auf das Online-Lexikon zugreifen, denn es bietet aktuelles Wissen schnell und kostenlos. Wegen ihrer großen Beliebtheit ist die Seite auch für Unternehmen oder Politiker interessant, denn auf diesem Wege können viele Menschen ohne großen Aufwand erreicht werden – also eine günstige Gelegenheit um PR-Arbeit zu betreiben.

Chancen und Risiken: Wissen von vielen

In seiner Studie zeigt der Journalist Marvin Oppong, wie leicht Unternehmen in Wikipedia eingreifen können. Außerdem bietet er tiefe Einblicke in die komplexe Hierarchie hinter dem Online-Lexikon. Das Mitmach-Konzept der Seite hat Erfolg, ist nach Meinung von Oppong aber riskant, denn Artikel können auch ohne Benutzerkonto bearbeitet werden. Selbst an-gemeldete Konten sind anonym – sie müssen weder verifiziert, noch mit richtigem Namen angelegt werden. So ist es nicht verwunderlich, dass Wikipedia mit Manipulationen zu kämpfen hat, doch die Wiki-Gemeinde ist davon überzeugt alles unter Kontrolle zu haben.
„Wenn irgendetwas den geringsten Anschein erweckt, nicht ganz mit rechten Dingen zuzugehen, treten verschiedene Alarmsysteme in Aktion“, so der Wikipedia-Benutzer „Schlesinger“ in einer Diskussion, die Oppong mit seiner Recherche innerhalb der Community ausgelöst hat. Der Journalist ist jedoch der Meinung, dass schon die Menge der Beiträge eine genaue Kontrolle schwierig macht. Allein die deutschsprachige Version zählt über 1,7 Millionen Artikel und nach „Wikipedia Statistik“ kommen täglich zwischen 300 und 400 neue Beiträge hinzu. Für eine Einzelperson ist es bei dieser Menge einfach unmöglich, den Überblick zu behalten und so alle Fehler, Betrugsversuche oder Scherz-Artikel zu bemerken.

Verdeckte PR durch Wikipedia-Mitglieder

Eine Hilfestellung schaffte der Programmierer Virgil Griffith mit dem Softwaretool „Wikiscanner“, mit dem IP-Adressen von Benutzerkonten oder anonymen Nutzern zurückverfolgt werden konnten. So war es möglich, ständige Manipulationen am Artikel „Scientology“ auf Geräte der Sekte zurückzuführen. Die Änderungen, platzierte Eigenwerbung und gelöschte kritische Passagen wurden von Wikipedia-Benutzern umgehend wieder rückgängig gemacht, doch die Scientologen blieben hartnäckig. Das führte sogar so weit, dass Wikipedia 2009 beschloss, Bearbeitungen von IP-Adressen der Organisation nicht mehr zuzulassen.
Wikipedia selbst bietet für jeden Leser ein gewisses Maß an Transparenz, denn durch die einsehbaren Versionsgeschichten der einzelnen Artikel kann jeder nachvollziehen, wie Beiträge des Lexikons im Laufe der Zeit bearbeitet wurden. So auch im Falle des Wikipedia-Accounts „Steylerpresse“. Hier spricht Oppong ebenfalls von verdeckter PR-Arbeit. Das Konto wurde von Tamara Häußler-Eisenmann, der Pressesprecherin des Männerordens „Steyler Missionare“, erstellt. Steylerpresse nahm zahlreiche Änderungen im Artikel zum Orden vor und erstellte einen Beitrag eines dazugehörigen Unternehmens. Häußler-Eisenmann hat ihre Identität und ihren Arbeitgeber jedoch nie verheimlicht, selbst der Benutzername ist sehr leicht zuzuordnen. Auf Kritik an ihrer Wortwahl, die teilweise wie Werbung gewirkt hatte, reagierte die Pressesprecherin verständnisvoll und sehr freundlich. Hier scheint es übertrieben von Manipulation zu sprechen. Das Vorgehen von Steylerpresse zeigt, dass eine Zusammenarbeit mit bezahlten PR-Leuten auf Wikipedia durchaus funktionieren kann. Mittlerweile wurde das Konto von der Plattform offiziell als Firmen-Account verifiziert.
Wesentlich bedenklicher sind PR-Arbeiten, wenn sie aus den eigenen Reihen von Wikipedia stammen. Genau das wirft Oppong dem Biologen Achim Raschka vor, einem ehemaligen Vorstandsmitglied von „Wikimedia“, einem gemeinnützigen Verein, der Projekte unterstützt – unter anderem auch Wikipedia. Mit einigen tausend Beiträgen und Bearbeitungen zählt der aktive Wikipedianer zum festen Kern der Community, der von Kennern der Seite auf etwa tausend freiwillige Mitarbeiter geschätzt wird.
Außerdem ist Raschka ein wissenschaftlicher Mitarbeiter des Nova-Instituts, das in der privaten Forschung für unterschiedliche Auftraggeber tätig ist. In Zusammenarbeit mit Wikimedia wurde 2007 das Wiki-Projekt „Nachwachsende Rohstoffe“ (Nawaro) realisiert, in dessen Rahmen innerhalb von drei Jahren über 300 neue Artikel zu nachwachsenden Rohstoffen verfasst wurden. Nawaro wurde mit knapp einer Viertel Million Euro vom Verbraucherschutzministerium gefördert, was für Oppong ein klarer Fall von bezahltem Schreiben ist. Besonders, da nicht offengelegt wurde, wie die staatlichen Mittel verteilt wurden.
Darüber hinaus ist er davon überzeugt, dass Raschka seine Position als Projektleiter genutzt hat, um Werbung für Firmen zu platzieren, doch in dem Blog „Free as in free beer“ erklärt dieser, dass es sich ausschließlich um spezielle Produktnamen gehandelt habe. Des Weiteren deckt die Studie auf, dass der Biologe Unternehmen zur Arbeit mit Wikipedia beraten hat, die kurze Zeit später Wikipedia-Artikel bearbeitet haben. Raschka rechtfertigt sich in seinem Blog, dass er in diesen Seminaren lediglich versuche die Funktionsweise von Wikipedia aufzuzeigen und zu vermitteln, was im Rahmen der Wikipedia-Grundsätze gewollt und machbar sei. Auch von Seiten der Unternehmen.

Oppongs Verbesserungsvorschläge

Oppong unterbreitet Vorschläge, die das Lexikon seiner Meinung nach verbessern würden. Einiges davon wird teilweise bereits praktiziert, wie die Bestrafung von Regelbrüchen. Zwar empfiehlt Oppong härteres Durchgreifen, doch Sanktionen sind schon längst Praxis und Verstöße werden mit Sperrung geahndet. User können Sperranträge stellen, die von den Administratoren geprüft werden. Notfalls können solche Anträge auch zu höheren Stellen innerhalb der Wikipedia-Hierarchie getragen werden, sollte der Verdacht aufkommen, dass ein Administrator seinen Einfluss missbraucht und eine unfaire Entscheidung getroffen hat.
Außerdem fordert Oppong die Offenlegung von Unternehmens-Accounts, damit sich niemand hinter der Anonymität des Internets verstecken kann. Tatsächlich ist es bereits seit 2011 möglich, Benutzerkonten freiwillig verifizieren zu lassen. „Die Benutzerverifizierung ist ein Verfahren, das verhindern soll, dass Unbefugte unter dem Namen einer Organisation oder einer berühmten Persönlichkeit in Wikipedia auftreten“, heißt es in der Erläuterung des Lexikons. Etwa 2.500 Benutzerkonten sind in der deutschen Wikipedia bereits überprüft. Das Projekt „Umgang mit bezahltem Schreiben“ ist ein weiterer Schritt, um mit dem Problem umzugehen. An dieser Anlaufstelle können verdächtige Bearbeitungen gemeldet werden. Dennoch ist es weiterhin möglich Artikel anonym zu verändern.
Die leichteste Methode, um Menschen vor falschen Informationen in Wikipedia zu schützen, beginnt jedoch beim Leser selbst. Selbst der Wikipedia-Gründer Jimmy Wales ist der Meinung, dass „weder Studenten noch Akademiker noch sonstige Menschen, die auf professioneller Ebene Informationen sammeln und verwerten“, Wikipedia zitieren sollten. Das Lexikon bietet Hintergrundwissen und erlaubt Menschen, sich zu einem Thema zu orientieren, kann aber nicht als alleinige Informationsquelle dienen.

Quellen:

„Studie Verdeckte PR in Wikipedia“ der Otto Brenner Stiftung, Stand 31.03.14:
https://www.otto-brenner-stiftung.de/otto-brenner-stiftung/aktuelles/verdeckte-pr-in-wikipedia-das-weltwissen-im-visier-von-unternehmen.html

Interview mit Jimmy Wales, Stand 08.04.14:
http://www.heise.de/tr/artikel/Studenten-sollten-uns-nicht-zitieren-2158448.html

 

Gegendarstellung Achim Raschka, Stand 13.05.14:
http://www.achimraschka.blogspot.de/2011/10/enthullungsjournalismus-geht-weiter.html

Gegendarstellung Achim Raschka – Seminare, Stand 02.06.14
http://www.achimraschka.blogspot.de/2011/06/enthullungsjournalismus-zur-wikipedia.html#links

Diskussionsseite zum Thema Steylerpresse:
http://de.wikipedia.org/wiki/Benutzer_Diskussion:Steylerpresse

 

Statistiken und Listen:

RankingWikipedia, Stand 29.03.14:
http://www.alexa.com/siteinfo/wikipedia.org

Wikipedia-Statistik, Stand 31.03.14:
http://stats.wikimedia.org/DE/TablesWikipediaDE.htm

Übersicht der Wiki-Admins, Stand 31.03.14:
http://de.wikipedia.org/wiki/Wikipedia:Liste_der_Administratoren

Liste Fakeartikel in Wikipedia, Stand 31.03.14:
http://en.wikipedia.org/wiki/Wikipedia:List_of_hoaxes_on_Wikipedia

Ex-auchkomm-Praktikant Manuel Christa für beste Bachelorarbeit Technikjournalismus ausgezeichnet

16. Januar 2014

Manuel Christa (links), Absolvent des Studiengangs Technikjournalismus in Nürnberg, wurde  für die beste Bachelorarbeit des ersten Abschlussjahrgangs ausgezeichnet. Geehrt hat ihn Prof. Volker M. Banholzer, Leiter Studiengang Technikjournalismus / Technik-PR an der Technischen Hochschule Nürnberg Georg Simon Ohm, während  der Abschlussfeier am 15. Januar 2014 in der IHK Nürnberg für Mittelfranken. Manuel Christa war von März bis Juli 2012 Praktikant bei der auchkomm Unternehmenskommunikation und konnte für seine Abschlussarbeit die Kundenkontakte der Agentur nutzen.

PR für den Mittelstand – notwendig oder Luxus?

02. Januar 2014

von Esther Schmidberger

Mittelständler investieren kaum in die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit ihres Unternehmens. Diese Erkenntnis präsentieren Christina Fischbach und Julia Mack in ihrem Buch Mittelstandskommunikation. Darüber hinaus zeigen die beiden Autorinnen anhand von Beispielen aus der Praxis, dass für Unternehmen in einer vernetzten Welt die mediale Kommunikation an Bedeutung gewinnt und sie durch PR-Arbeit ihren Erfolg steigern können.

Zu ähnlichen Ergebnissen kommt Dagmar Schütte in ihrem Werk Mittelstands-PR in Deutschland: Eine Studie zur Kommunikationsarbeit mittelständischer Unternehmen. Sie stellt andererseits anhand zweier repräsentativer Befragungen aus den Jahren 2006 und 2008 fest, dass viele Mittelständler zwar PR betreiben, diese aber nicht als solche verstehen und benennen.

Steigendes Bewusstsein fürs Kommunizieren

Laut einer Umfrage der Initiative UnternehmensKultur, Frankfurt am Main, aus dem Jahr 2008 sind deutsche mittelständische Unternehmen beim Thema Presse- und Öffentlichkeitsarbeit noch sehr zurückhaltend. Dabei haben die oft familiengeführten Firmen allen Grund, ihren Bekanntheitsgrad über die regionale Ebene hinaus zu steigern. Schließlich ist Deutschland vor allem dank seiner Mittelständler Exportweltmeister. Langsam jedoch wächst in diesen Betrieben das Bewusstsein, so Fischbach und Mack, dass sie durch bessere Kommunikation zusätzliche Kunden gewinnen und neue Absatzmärkte erschließen können. Zudem erkennen die Verantwortlichen, dass sie längerfristig wettbewerbsfähig und erfolgreich bleiben, wenn sie ihren Bekanntheitsgrad steigern und ein gutes Image ihrer Firma prägen.

Wenn die Gesellschaft Anforderungen stellt

Die Öffentlichkeit erwartet von Unternehmen heute, dass diese sich verstärkt in ihr Umfeld einfügen. Das ist eine Erkenntnis, die Fischbach und Mack gewinnen. Damit benennen sie den Anspruch von Kunden, Mitarbeitern, Journalisten, Politikern, Verbänden, etc., die von Firmen (unbewusst) verlangen, sich gesellschaftspolitisch und ökologisch an gewisse Werte und Einstellungen zu binden. Diese Moral sollen die Betriebe dann nach innen leben und nach außen zeigen. Public Relations erfüllen diese Aufgabe: Sie überbringen Botschaften und vermitteln zwischen Unternehmen und der Öffentlichkeit. Indem Medien für interne und externe Zielgruppen über Neues und diverse Aktivitäten der Firma berichten, verbessert sich das Image eines Unternehmens. Gleichzeitig steigert PR den Bekanntheitsgrad, schafft Vertrauen und Akzeptanz – so die Autorinnen.

Und die Realität?

Warum aber betreiben zahlreiche kleine und mittlere Unternehmen bisher wenig oder kaum Presse- und Öffentlichkeitsarbeit? Auf diese Frage geht Dagmar Schütte, Professorin für Kommunikationswissenschaft und Leiterin des Instituts für Kommunikationsmanagement an der Hochschule Osnabrück, ein. Anhand der zwei repräsentativen Befragungen kam sie zu dem wenig überraschenden Ergebnis, dass der PR-Arbeit im Mittelstand zwar allmählich mehr Bedeutung beigemessen wird, den KMUs jedoch bislang oft der Wille fehlt, ausreichende finanzielle, zeitliche und personelle Ressourcen für professionelle Public Relations zur Verfügung zu stellen. In den meisten Fällen sollte die Geschäftsleitung aktiv werden, bei der momentan in achtzig Prozent der Firmen die PR-Verantwortung liegt.

Wissen ist noch nicht Tun

Die Verortung der Zuständigkeit für Kommunikation in der Geschäftsleitung führt noch nicht zwangsläufig zu erfolgreichen Public Relations, konstatieren Fischbach und Mack. Grund hierfür ist, dass die Verantwortlichen der Firma in der Regel zu wenig Zeit und keine Ausbildung haben, um PR professionell zu betreiben. Für erfolgreiche Öffentlichkeitsarbeit bedarf es Leute vom Fach, die wissen, wie Inhalte richtig zu kommunizieren sind und welcher Werkzeuge sie sich bedienen müssen. Im Idealfall ziehen KMUs Experten für Kommunikation heran, die intern oder extern für die Firma arbeiten.

Für die Zukunft bleibt zu hoffen, dass die Mittelständler ihre Chance erkennen und die zunehmend professionalisierten Public Relations ernst nehmen und nutzen. Hochschulen und Weiterbildungszentren bieten zunehmend PR-Schulungen und Studiengänge an, um Spezialisten auszubilden, die ihr Handwerk verstehen und in der Lage sind als kompetente Partner im Unternehmen zu agieren. Es liegt nun an den Firmen die Gelegenheit beim Schopfe zu packen!

Quellen:

Fischbach, Christina/ Mack,  Julia (2008): Mittelstandskommunikation. Konstanz: UVK Verlagsgesellschaft mbH.

Schütte, Dagmar (2011): Mittelstands-PR in Deutschland. Eine Studie zur Kommunikationsarbeit mittelständischer Unternehmen. Konstanz: UVK Verlagsgesellschaft mbH.

Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (Hrsg.) (2012): German Mittelstand: Motor der deutschen Wirtschaft. Zahlen und Fakten zu deutschen mittelständischen Unternehmen. In: http://www.bmwi.de/BMWi/Redaktion/PDF/Publikationen/factbook-german-mittelstand,property=pdf,bereich=bmwi2012,sprache=de,rwb=true.pdf, eingesehen am 13.12.2013.

Initiative Unternehmenskultur (2008): Medien und mittelständische Unternehmen – Anspruch und Wirklichkeit. In: http://www.initiative-unternehmenskultur.de/ueber_uns/umfragen.html, eingesehen am 16.12.2013.

„Ich bin behindert – aber nicht blöd“

06. Dezember 2013

Frisches Magazin über Menschen mit Behinderung

"Noris Inklusion aktuell", Ausgabe Dezember 2013

„Ich bin behindert – aber nicht blöd“ sagte Jörg Kloss im Interview für die erste Ausgabe von „Noris Inklusion aktuell“ . Mit dem im Dezember 2013 erstmals erschienenen Heft beschreitet die ehemalige „Werkstatt für Behinderte der Stadt Nürnberg“ neue Wege bei der Außendarstellung gegenüber der Öffentlichkeit aus Medien, Politik und Wirtschaft. „Noris Inklusion aktuell“: Ein modernes Layout, freche Bilder und offene Worte. Hier geht es zum Download.

 

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