Mehrblick

Sprache in Wirtschaft und Technik

Deutsche Bahn kreativ: Eine tolle Geburtstagsüberraschung

10. Juli 2014

Vermutlich, da ich (ein guter) Kunde der Deutschen Bahn bin, bekam ich  wenige Tage vor meinem Geburtstag eine E-Mail vom “Team der Deutschen Bahn” mit folgendem Inhalt:

“Sehr geehrter Herr Auch, Ihr Geburtstag rückt immer näher und unsere Vorbereitungen laufen schon auf Hochtouren. Eine tolle Überraschung wartet auf Sie: Klicken Sie hier und helfen Sie uns ein wenig bei der Planung. Wir bedanken uns schon vorab für Ihre Unterstützung und stürzen uns sogleich in die Vorbereitungen für Ihre Geburtstagsüberraschung. Wir zählen schon die Tage.”

Das hat mich neugierig gemacht: Die Bahn “auf Hochtouren”. Sie “stürzt sich in die Vorbereitungen für eine Geburtstagsüberraschung.” Für mich!

Beim Klick auf den angegebenen Link erwartete mich folgende Seite mit der Bitte, vertrauensvoll die angegebenen Fragen zu beantworten:

Geburtstagsvorbereitungen Bahn

Am Geburtstag kam dann – ebenfalls per E-Mail – allerdings nur noch “eine kleine Aufmerksamkeit”: Das Papiermodell eines ICEs mit Namenszug,  blauen Ballons (wg. Lieblingsfarbe) vor einer Skyline (wg. Urlaubstyp)  – zum  Ausdrucken und Basteln, dazu die “Rezeptidee” meiner Wunschtorte, die ich mir dann selber backen darf. Geburtstagsüberraschung Bahn

 

Kreativität, die  sprachlos macht.

Ich weiß schon, was ich mir nächstes Jahr wünsche: Weniger Kiki.

Schöne neue PR-Welt – Unternehmen manipulieren Wikipedia

30. Juni 2014

von Christina Deinhardt

Unternehmen manipulieren gezielt Einträge in Wikipedia. Das ist das Fazit der Studie „Verdeckte PR in Wikipedia – Das Weltwissen im Visier von Unternehmen“, erschienen bei der Otto Brenner Stiftung. Jeder kann bei dem Online-Lexikon mitarbeiten und somit ist es auch für bezahlte PR-Leute ein Leichtes, unliebsame Informationen zu überarbeiten. Wie viele dieser Eingriffe unentdeckt bleiben, ist schwer abzuschätzen, doch einige der mittlerweile aufgedeckten Fälle standen sogar über mehrere Monate auf der Seite.

"Verdeckte PR in Wikipedia": eine Studie der Otto Brenner Stiftung.

“Verdeckte PR in Wikipedia”: eine Studie der Otto Brenner Stiftung.

Längst hat Wikipedia die gedruckte Version der Brockhaus Enzyklopädie vom Markt verdrängt. Es ist kein Wunder, dass immer mehr Menschen auf das Online-Lexikon zugreifen, denn es bietet aktuelles Wissen schnell und kostenlos. Wegen ihrer großen Beliebtheit ist die Seite auch für Unternehmen oder Politiker interessant, denn auf diesem Wege können viele Menschen ohne großen Aufwand erreicht werden – also eine günstige Gelegenheit um PR-Arbeit zu betreiben.

Chancen und Risiken: Wissen von vielen

In seiner Studie zeigt der Journalist Marvin Oppong, wie leicht Unternehmen in Wikipedia eingreifen können. Außerdem bietet er tiefe Einblicke in die komplexe Hierarchie hinter dem Online-Lexikon. Das Mitmach-Konzept der Seite hat Erfolg, ist nach Meinung von Oppong aber riskant, denn Artikel können auch ohne Benutzerkonto bearbeitet werden. Selbst an-gemeldete Konten sind anonym – sie müssen weder verifiziert, noch mit richtigem Namen angelegt werden. So ist es nicht verwunderlich, dass Wikipedia mit Manipulationen zu kämpfen hat, doch die Wiki-Gemeinde ist davon überzeugt alles unter Kontrolle zu haben.
„Wenn irgendetwas den geringsten Anschein erweckt, nicht ganz mit rechten Dingen zuzugehen, treten verschiedene Alarmsysteme in Aktion“, so der Wikipedia-Benutzer „Schlesinger“ in einer Diskussion, die Oppong mit seiner Recherche innerhalb der Community ausgelöst hat. Der Journalist ist jedoch der Meinung, dass schon die Menge der Beiträge eine genaue Kontrolle schwierig macht. Allein die deutschsprachige Version zählt über 1,7 Millionen Artikel und nach „Wikipedia Statistik“ kommen täglich zwischen 300 und 400 neue Beiträge hinzu. Für eine Einzelperson ist es bei dieser Menge einfach unmöglich, den Überblick zu behalten und so alle Fehler, Betrugsversuche oder Scherz-Artikel zu bemerken.

Verdeckte PR durch Wikipedia-Mitglieder

Eine Hilfestellung schaffte der Programmierer Virgil Griffith mit dem Softwaretool „Wikiscanner“, mit dem IP-Adressen von Benutzerkonten oder anonymen Nutzern zurückverfolgt werden konnten. So war es möglich, ständige Manipulationen am Artikel „Scientology“ auf Geräte der Sekte zurückzuführen. Die Änderungen, platzierte Eigenwerbung und gelöschte kritische Passagen wurden von Wikipedia-Benutzern umgehend wieder rückgängig gemacht, doch die Scientologen blieben hartnäckig. Das führte sogar so weit, dass Wikipedia 2009 beschloss, Bearbeitungen von IP-Adressen der Organisation nicht mehr zuzulassen.
Wikipedia selbst bietet für jeden Leser ein gewisses Maß an Transparenz, denn durch die einsehbaren Versionsgeschichten der einzelnen Artikel kann jeder nachvollziehen, wie Beiträge des Lexikons im Laufe der Zeit bearbeitet wurden. So auch im Falle des Wikipedia-Accounts „Steylerpresse“. Hier spricht Oppong ebenfalls von verdeckter PR-Arbeit. Das Konto wurde von Tamara Häußler-Eisenmann, der Pressesprecherin des Männerordens „Steyler Missionare“, erstellt. Steylerpresse nahm zahlreiche Änderungen im Artikel zum Orden vor und erstellte einen Beitrag eines dazugehörigen Unternehmens. Häußler-Eisenmann hat ihre Identität und ihren Arbeitgeber jedoch nie verheimlicht, selbst der Benutzername ist sehr leicht zuzuordnen. Auf Kritik an ihrer Wortwahl, die teilweise wie Werbung gewirkt hatte, reagierte die Pressesprecherin verständnisvoll und sehr freundlich. Hier scheint es übertrieben von Manipulation zu sprechen. Das Vorgehen von Steylerpresse zeigt, dass eine Zusammenarbeit mit bezahlten PR-Leuten auf Wikipedia durchaus funktionieren kann. Mittlerweile wurde das Konto von der Plattform offiziell als Firmen-Account verifiziert.
Wesentlich bedenklicher sind PR-Arbeiten, wenn sie aus den eigenen Reihen von Wikipedia stammen. Genau das wirft Oppong dem Biologen Achim Raschka vor, einem ehemaligen Vorstandsmitglied von „Wikimedia“, einem gemeinnützigen Verein, der Projekte unterstützt – unter anderem auch Wikipedia. Mit einigen tausend Beiträgen und Bearbeitungen zählt der aktive Wikipedianer zum festen Kern der Community, der von Kennern der Seite auf etwa tausend freiwillige Mitarbeiter geschätzt wird.
Außerdem ist Raschka ein wissenschaftlicher Mitarbeiter des Nova-Instituts, das in der privaten Forschung für unterschiedliche Auftraggeber tätig ist. In Zusammenarbeit mit Wikimedia wurde 2007 das Wiki-Projekt „Nachwachsende Rohstoffe“ (Nawaro) realisiert, in dessen Rahmen innerhalb von drei Jahren über 300 neue Artikel zu nachwachsenden Rohstoffen verfasst wurden. Nawaro wurde mit knapp einer Viertel Million Euro vom Verbraucherschutzministerium gefördert, was für Oppong ein klarer Fall von bezahltem Schreiben ist. Besonders, da nicht offengelegt wurde, wie die staatlichen Mittel verteilt wurden.
Darüber hinaus ist er davon überzeugt, dass Raschka seine Position als Projektleiter genutzt hat, um Werbung für Firmen zu platzieren, doch in dem Blog „Free as in free beer“ erklärt dieser, dass es sich ausschließlich um spezielle Produktnamen gehandelt habe. Des Weiteren deckt die Studie auf, dass der Biologe Unternehmen zur Arbeit mit Wikipedia beraten hat, die kurze Zeit später Wikipedia-Artikel bearbeitet haben. Raschka rechtfertigt sich in seinem Blog, dass er in diesen Seminaren lediglich versuche die Funktionsweise von Wikipedia aufzuzeigen und zu vermitteln, was im Rahmen der Wikipedia-Grundsätze gewollt und machbar sei. Auch von Seiten der Unternehmen.

Oppongs Verbesserungsvorschläge

Oppong unterbreitet Vorschläge, die das Lexikon seiner Meinung nach verbessern würden. Einiges davon wird teilweise bereits praktiziert, wie die Bestrafung von Regelbrüchen. Zwar empfiehlt Oppong härteres Durchgreifen, doch Sanktionen sind schon längst Praxis und Verstöße werden mit Sperrung geahndet. User können Sperranträge stellen, die von den Administratoren geprüft werden. Notfalls können solche Anträge auch zu höheren Stellen innerhalb der Wikipedia-Hierarchie getragen werden, sollte der Verdacht aufkommen, dass ein Administrator seinen Einfluss missbraucht und eine unfaire Entscheidung getroffen hat.
Außerdem fordert Oppong die Offenlegung von Unternehmens-Accounts, damit sich niemand hinter der Anonymität des Internets verstecken kann. Tatsächlich ist es bereits seit 2011 möglich, Benutzerkonten freiwillig verifizieren zu lassen. „Die Benutzerverifizierung ist ein Verfahren, das verhindern soll, dass Unbefugte unter dem Namen einer Organisation oder einer berühmten Persönlichkeit in Wikipedia auftreten“, heißt es in der Erläuterung des Lexikons. Etwa 2.500 Benutzerkonten sind in der deutschen Wikipedia bereits überprüft. Das Projekt „Umgang mit bezahltem Schreiben“ ist ein weiterer Schritt, um mit dem Problem umzugehen. An dieser Anlaufstelle können verdächtige Bearbeitungen gemeldet werden. Dennoch ist es weiterhin möglich Artikel anonym zu verändern.
Die leichteste Methode, um Menschen vor falschen Informationen in Wikipedia zu schützen, beginnt jedoch beim Leser selbst. Selbst der Wikipedia-Gründer Jimmy Wales ist der Meinung, dass „weder Studenten noch Akademiker noch sonstige Menschen, die auf professioneller Ebene Informationen sammeln und verwerten“, Wikipedia zitieren sollten. Das Lexikon bietet Hintergrundwissen und erlaubt Menschen, sich zu einem Thema zu orientieren, kann aber nicht als alleinige Informationsquelle dienen.

Quellen:

“Studie Verdeckte PR in Wikipedia” der Otto Brenner Stiftung, Stand 31.03.14:
https://www.otto-brenner-stiftung.de/otto-brenner-stiftung/aktuelles/verdeckte-pr-in-wikipedia-das-weltwissen-im-visier-von-unternehmen.html

Interview mit Jimmy Wales, Stand 08.04.14:
http://www.heise.de/tr/artikel/Studenten-sollten-uns-nicht-zitieren-2158448.html

 

Gegendarstellung Achim Raschka, Stand 13.05.14:
http://www.achimraschka.blogspot.de/2011/10/enthullungsjournalismus-geht-weiter.html

Gegendarstellung Achim Raschka – Seminare, Stand 02.06.14
http://www.achimraschka.blogspot.de/2011/06/enthullungsjournalismus-zur-wikipedia.html#links

Diskussionsseite zum Thema Steylerpresse:
http://de.wikipedia.org/wiki/Benutzer_Diskussion:Steylerpresse

 

Statistiken und Listen:

RankingWikipedia, Stand 29.03.14:
http://www.alexa.com/siteinfo/wikipedia.org

Wikipedia-Statistik, Stand 31.03.14:
http://stats.wikimedia.org/DE/TablesWikipediaDE.htm

Übersicht der Wiki-Admins, Stand 31.03.14:
http://de.wikipedia.org/wiki/Wikipedia:Liste_der_Administratoren

Liste Fakeartikel in Wikipedia, Stand 31.03.14:
http://en.wikipedia.org/wiki/Wikipedia:List_of_hoaxes_on_Wikipedia

Ex-auchkomm-Praktikant Manuel Christa für beste Bachelorarbeit Technikjournalismus ausgezeichnet

16. Januar 2014

Manuel Christa (links), Absolvent des Studiengangs Technikjournalismus in Nürnberg, wurde  für die beste Bachelorarbeit des ersten Abschlussjahrgangs ausgezeichnet. Geehrt hat ihn Prof. Volker M. Banholzer, Leiter Studiengang Technikjournalismus / Technik-PR an der Technischen Hochschule Nürnberg Georg Simon Ohm, während  der Abschlussfeier am 15. Januar 2014 in der IHK Nürnberg für Mittelfranken. Manuel Christa war von März bis Juli 2012 Praktikant bei der auchkomm Unternehmenskommunikation und konnte für seine Abschlussarbeit die Kundenkontakte der Agentur nutzen.

PR für den Mittelstand – notwendig oder Luxus?

02. Januar 2014

von Esther Schmidberger

Mittelständler investieren kaum in die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit ihres Unternehmens. Diese Erkenntnis präsentieren Christina Fischbach und Julia Mack in ihrem Buch Mittelstandskommunikation. Darüber hinaus zeigen die beiden Autorinnen anhand von Beispielen aus der Praxis, dass für Unternehmen in einer vernetzten Welt die mediale Kommunikation an Bedeutung gewinnt und sie durch PR-Arbeit ihren Erfolg steigern können.

Zu ähnlichen Ergebnissen kommt Dagmar Schütte in ihrem Werk Mittelstands-PR in Deutschland: Eine Studie zur Kommunikationsarbeit mittelständischer Unternehmen. Sie stellt andererseits anhand zweier repräsentativer Befragungen aus den Jahren 2006 und 2008 fest, dass viele Mittelständler zwar PR betreiben, diese aber nicht als solche verstehen und benennen.

Steigendes Bewusstsein fürs Kommunizieren

Laut einer Umfrage der Initiative UnternehmensKultur, Frankfurt am Main, aus dem Jahr 2008 sind deutsche mittelständische Unternehmen beim Thema Presse- und Öffentlichkeitsarbeit noch sehr zurückhaltend. Dabei haben die oft familiengeführten Firmen allen Grund, ihren Bekanntheitsgrad über die regionale Ebene hinaus zu steigern. Schließlich ist Deutschland vor allem dank seiner Mittelständler Exportweltmeister. Langsam jedoch wächst in diesen Betrieben das Bewusstsein, so Fischbach und Mack, dass sie durch bessere Kommunikation zusätzliche Kunden gewinnen und neue Absatzmärkte erschließen können. Zudem erkennen die Verantwortlichen, dass sie längerfristig wettbewerbsfähig und erfolgreich bleiben, wenn sie ihren Bekanntheitsgrad steigern und ein gutes Image ihrer Firma prägen.

Wenn die Gesellschaft Anforderungen stellt

Die Öffentlichkeit erwartet von Unternehmen heute, dass diese sich verstärkt in ihr Umfeld einfügen. Das ist eine Erkenntnis, die Fischbach und Mack gewinnen. Damit benennen sie den Anspruch von Kunden, Mitarbeitern, Journalisten, Politikern, Verbänden, etc., die von Firmen (unbewusst) verlangen, sich gesellschaftspolitisch und ökologisch an gewisse Werte und Einstellungen zu binden. Diese Moral sollen die Betriebe dann nach innen leben und nach außen zeigen. Public Relations erfüllen diese Aufgabe: Sie überbringen Botschaften und vermitteln zwischen Unternehmen und der Öffentlichkeit. Indem Medien für interne und externe Zielgruppen über Neues und diverse Aktivitäten der Firma berichten, verbessert sich das Image eines Unternehmens. Gleichzeitig steigert PR den Bekanntheitsgrad, schafft Vertrauen und Akzeptanz – so die Autorinnen.

Und die Realität?

Warum aber betreiben zahlreiche kleine und mittlere Unternehmen bisher wenig oder kaum Presse- und Öffentlichkeitsarbeit? Auf diese Frage geht Dagmar Schütte, Professorin für Kommunikationswissenschaft und Leiterin des Instituts für Kommunikationsmanagement an der Hochschule Osnabrück, ein. Anhand der zwei repräsentativen Befragungen kam sie zu dem wenig überraschenden Ergebnis, dass der PR-Arbeit im Mittelstand zwar allmählich mehr Bedeutung beigemessen wird, den KMUs jedoch bislang oft der Wille fehlt, ausreichende finanzielle, zeitliche und personelle Ressourcen für professionelle Public Relations zur Verfügung zu stellen. In den meisten Fällen sollte die Geschäftsleitung aktiv werden, bei der momentan in achtzig Prozent der Firmen die PR-Verantwortung liegt.

Wissen ist noch nicht Tun

Die Verortung der Zuständigkeit für Kommunikation in der Geschäftsleitung führt noch nicht zwangsläufig zu erfolgreichen Public Relations, konstatieren Fischbach und Mack. Grund hierfür ist, dass die Verantwortlichen der Firma in der Regel zu wenig Zeit und keine Ausbildung haben, um PR professionell zu betreiben. Für erfolgreiche Öffentlichkeitsarbeit bedarf es Leute vom Fach, die wissen, wie Inhalte richtig zu kommunizieren sind und welcher Werkzeuge sie sich bedienen müssen. Im Idealfall ziehen KMUs Experten für Kommunikation heran, die intern oder extern für die Firma arbeiten.

Für die Zukunft bleibt zu hoffen, dass die Mittelständler ihre Chance erkennen und die zunehmend professionalisierten Public Relations ernst nehmen und nutzen. Hochschulen und Weiterbildungszentren bieten zunehmend PR-Schulungen und Studiengänge an, um Spezialisten auszubilden, die ihr Handwerk verstehen und in der Lage sind als kompetente Partner im Unternehmen zu agieren. Es liegt nun an den Firmen die Gelegenheit beim Schopfe zu packen!

Quellen:

Fischbach, Christina/ Mack,  Julia (2008): Mittelstandskommunikation. Konstanz: UVK Verlagsgesellschaft mbH.

Schütte, Dagmar (2011): Mittelstands-PR in Deutschland. Eine Studie zur Kommunikationsarbeit mittelständischer Unternehmen. Konstanz: UVK Verlagsgesellschaft mbH.

Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (Hrsg.) (2012): German Mittelstand: Motor der deutschen Wirtschaft. Zahlen und Fakten zu deutschen mittelständischen Unternehmen. In: http://www.bmwi.de/BMWi/Redaktion/PDF/Publikationen/factbook-german-mittelstand,property=pdf,bereich=bmwi2012,sprache=de,rwb=true.pdf, eingesehen am 13.12.2013.

Initiative Unternehmenskultur (2008): Medien und mittelständische Unternehmen – Anspruch und Wirklichkeit. In: http://www.initiative-unternehmenskultur.de/ueber_uns/umfragen.html, eingesehen am 16.12.2013.

“Ich bin behindert – aber nicht blöd”

06. Dezember 2013

Frisches Magazin über Menschen mit Behinderung

"Noris Inklusion aktuell", Ausgabe Dezember 2013

“Ich bin behindert – aber nicht blöd” sagte Jörg Kloss im Interview für die erste Ausgabe von “Noris Inklusion aktuell” . Mit dem im Dezember 2013 erstmals erschienenen Heft beschreitet die ehemalige „Werkstatt für Behinderte der Stadt Nürnberg“ neue Wege bei der Außendarstellung gegenüber der Öffentlichkeit aus Medien, Politik und Wirtschaft. “Noris Inklusion aktuell”: Ein modernes Layout, freche Bilder und offene Worte. Hier geht es zum Download.

Nachhaltig, umweltfreundlich, klimaneutral – alles nur Worthülsen?

28. März 2012

Umweltbewusstes Wirtschaften liegt im Trend und wird mit Begriffen wie „Nachhaltigkeit“ oder „Klimaneutralität“ von Unternehmen gerne beworben. Vielfach handelt es sich um reine Versprechen. Doch Umwelteinwirkungen von Produkten und Verfahren lassen sich etwa mit einer Ökobilanz ermitteln und bei methodisch gleichem Vorgehen auch vergleichen. Als Beispiel:  Wie „nachhaltig“ war  die Abwrackprämie?

Abwrackprämie 2009 (Quelle Bild: uschi dreiucker / pixelio.de).

Unter ihrem offiziellen Namen „Umweltprämie“ kennt heute kaum jemand den Zuschuss von 2.500 Euro, den der Staat 2009 einem zahlte, wenn man sein altes Auto verschrotten ließ und sich dafür einen Neuwagen zulegte. „Abwrackprämie“ wurde nicht nur der gebräuchliche Begriff, sondern auch Wort des Jahres 2009.  Primär hatte die Umweltprämie den Zweck, die schwächelnde Wirtschaft anzukurbeln. Aber wie umweltfreundlich ist überhaupt die Verschrottung eines noch funktionierenden, zugelassenen Autos? Wann ist der Ressourcen- und Energieverbrauch, der bei der Herstellung des Neuwagens anfällt, durch seinen geringeren – dies sei einmal vorausgesetzt – Spritverbrauch „amortisiert“? Denn die Abwrackprämie war nicht an ökologische Bedingungen für den Neuwagen geknüpft, wie vergleichbare Subventionen in anderen Ländern.  Antworten auf die Fragen zur Umwelteinwirkung liefert die Ökobilanz – zumindest teilweise.

Ökobilanz: Von der Wiege bis zur Bahre

Eine positive Bilanz der Abwrackprämie für die Umwelt zog das Heidelberger Institut für Energie- und Umweltforschung (ifeu) – wohlgemerkt beauftragt vom Bundesumweltministerium. Spritverbrauch und CO2-Ausstoß der Neuwagen sollen rund 20 Prozent niedriger sein als bei den verschrotteten Fahrzeugen. Die Verringerung der Luftschadstoffe, wie etwa Rußpartikel, soll sogar 99 Prozent betragen.

Umwelteinwirkungen der Herstellung sowie Entsorgung wurden von den Heidelberger Wissenschaftler nicht berücksichtigt, was dem ganzheitlichen Ansatz einer Ökobilanz widerspricht. Diesen Anspruch hatten sie aber auch nicht, es wurde lediglich eine „erste Bilanz“ gezogen. „Eine wissenschaftliche Bilanzierung der Umwelteffekte der Abwrackprämie steht bisher aus“, so im Gutachten.

„In der Summe entstehen 30% der negativen Umwelteffekte außerhalb der eigentlichen Nutzungszeit eines Autos – unter der Voraussetzung, dass seine Lebensdauer voll ausgeschöpft und nicht künstlich verkürzt wird“, schreibt Matthias Brake im Online-Magazin Telepolis. Bei nur neun Jahren Lebensdauer sollen es gar 50% Umwelteinwirkung sein, die der Herstellung und Entsorgung zuzuschreiben seien.

Umweltfreundliches Auto (Quelle Bild: Matthias Preisinger / pixelio.de).

Schadstoffarmes Auto (Quelle Foto: Matthias Preisinger / pixelio.de)

So sehr man sich aber auch bemüht, alle vermeintlichen Umwelteinwirkungen „von der Wiege bis zur Bahre“ zusammenzutragen, das Ergebnis ist stets kritisch zu betrachten: Denn um die Umweltverträglichkeit in der Ökobilanz auf eine Dimension zu reduzieren, werden die Werte aller schädlichen Stoffe mit einem vorher festgelegten Faktor umgerechnet, beispielsweise in ein CO2-Äquivalent. Nicht zuletzt dadurch wird das Ergebnis verzerrt.

Was ist eigentlich Nachhaltigkeit?

Auch wenn der Begriff der Nachhaltigkeit (engl. Sustainability) oft im ökologischen Sinne verwendet wird, so ist er nicht darauf beschränkt. Dennoch beschreibt der Ursprung aus der Forstwirtschaft das Prinzip recht griffig: Es darf nur so viel gefällt werden wie auch nachwachsen kann. Im Jahr 1713 tauchte erstmals in einer Publikation von Hans Carl von Carlowitz die Formulierung einer „nachhaltenden Nutzung“ von Wäldern auf.

Mittlerweile wurde der umweltbezogene Gedanke um eine wirtschaftliche und eine gesellschaftliche Komponente ergänzt. Nach der Enquetekommission des Deutschen Bundestages bilden daher Umwelt, Wirtschaft und Gesellschaft die drei Säulen der Nachhaltigkeit. Auf diesen basieren die verschiedenen Methoden zur Analyse von Umwelteinwirkungen oder Kosten.

Umweltzeichen: Umweltfreundlich weil emissionsarm?

Um Umweltzeichen mit echter Prüfung erkennen zu können, werden sie per Norm in drei Typen unterteilt. Typ I (ISO 14024) ist das für den Verbraucher interessanteste Umweltzeichen: Es zeichnet eine nachgewiesene umweltfreundlichere Eigenschaft gegenüber Konkurrenzprodukten aus.

Umweltzeichen "Der Blaue Engel" (Quelle: www.der-blaue-engel.de)

Der Blaue Engel ist das bekannteste Typ-I-Zeichen, das aber keine Auszeichnung des Gesamtproduktes ist, sondern nur einen Umweltaspekt angibt, der  stets im Untertitel genannt ist. Ein Laserdrucker zum Beispiel „schützt das Klima“, wenn er weniger Strom verbraucht  oder weniger Schadstoffe in die Luft bläst als vergleichbare Drucker. Unter den Geräten mit Blauen Engel gibt es zudem kein weiteres Ranking. Ebenso können auch nicht ausgezeichnete Geräte umweltfreundlich sein, da der Blaue Engel nur auf Antrag vergeben wird.

Umweltdeklarationen nach Typ II (ISO 14021) sind Zeichen, die nach frei wählbaren Kriterien vom Hersteller selbst eingesetzt werden, um etwa die eigene Produktpalette zu klassifizieren. Unabhängige Dritte prüfen hier nicht die Kriterien, dies ist jedoch beim Umweltzeichen des Typs III der Fall: Es liefert eine quantitative Aussage über die Umwelteinwirkungen eines Produktes und ist zum Beispiel für Kühlschränke, Waschmaschinen oder Geschirrspüler vorgeschrieben. Damit lassen sich die Geräte etwa nach der EU-Energieverbrauchs-Kennzeichnung in Stufen von A+++ bis G unterteilen.

Energielabel (Quelle: Wikipedia).

Klimaneutral durch Kompensation

Die Bilanzierung der Umwelteinwirkungen eines Flugzeuges allein wird nie zu einem umweltfreundlichen Ergebnis gelangen. Unter dem Stichwort „klimaneutral“ sollen Umweltsünden  wieder reingeschwaschen werden, indem in CO2-sparende Projekte investiert wird. Zahlte man früher den Ablass nur an die Kirche, nehmen ihn heute bei Umweltsünden die Klimaschützer:

Die Non-Profit-Organisation „atmosfair“ etwa lässt sich das schlechte Gewissen der Flugpassagiere bezahlen, indem ein Emissionsrechner den CO2-Anteil des eigenen Fluges ermittelt. Mit einer Investition in ein Klimaschutz-Projekt soll dieser dann kompensiert werden. So kostet der Umwelt-Ablass für einen einfachen Flug von Köln nach Frankfurt mit 50 kg CO2 pro Passagier 6 Euro. Die Kölner Flughafengesellschaft bietet dasselbe Prinzip an, spricht beim selben Flug von 84 kg CO2 und verlangt nur 5 Euro.

Echte Klimaneutralität ist solche, die nicht durch Kompensation erlangt wird, sondern durch CO2-Vermeidung. Fürs (weite) Fliegen aber existiert kaum eine praktikable Alternative, sodass die Kompensation hier das geringste Übel darstellt.

„Starke Nachhaltigkeit“ und „schwache Nachhaltigkeit“

Nachhaltigkeit ist also nur innerhalb einer der erwähnten Kategorien messbar. Theoretisch kann daher zwischen einer starken und schwachen Nachhaltigkeit unterschieden werden: Somit wird die Frage beantwortet, ob die Dimensionen Umwelt, Wirtschaft und Gesellschaft einander aufwiegen dürfen.

Eine „starke Nachhaltigkeit“ verbietet ein Aufbrauchen des Naturkapitals. Um auf das ursprüngliche Beispiel zurückzukommen, sei dies am Holz verdeutlicht: Es muss stets so viel nachwachsen, wie gerodet wird – selbst wenn der Mensch mehr benötigt. Umwelt geht vor Wirtschaft und Gesellschaft. Der Begriff „schwache Nachhaltigkeit“ verbietet lediglich ein Aufbrauchen des Gesamtkapitals. Würde also eine reproduzierbare Technologie existieren, die Holz ersetzen könnte, dürfte man es aufbrauchen. Alle drei Kategorien sind hier gleichwertig und daher ist Natur- durch Sachkapital ersetzbar.

Der „starken Nachhaltigkeit“ zuliebe dürften nicht-regenerative Ressourcen wie Kohle oder Öl gar nicht abgebaut werden, wohingegen sich eine schwache Nachhaltigkeit etwa nur am Bruttosozialprodukt einer Gesellschaft orientieren könnte. Der Kompromiss der Praxis aber liegt  in jeder Umweltfrage irgendwo in der Mitte. Somit wurde zumindest von Seiten der Urheber auch die Abwrackprämie als voller Erfolg gewertet: Sie hatte spätestens dann ihren Zweck erfüllt, als 2011 die Autoindustrie Rekordumsätze meldete. Da sie aber insgesamt eine negative Ökobilanz aufweist, und als Subvention zunächst den Steuerzahler belastete,  wurden diese Umsätze zu Lasten von Umwelt und Gesellschaft erzielt.

Autor: Manuel Christa, Student Technikjournalismus an der Georg-Simon-Ohm-Hochschule in Nürnberg

Wettbewerb Technikjournalismus für Nachwuchsredakteure

03. Januar 2012

Der  Studiengang Technikjournalismus der Ohm-Hochschule Nürnberg veranstaltet mit den beiden führenden deutschen Verbänden im Maschinenbau und in der Elektroindustrie, dem VDMA und der ZVEI,  gemeinsam  den Wettbewerb Technikjournalismus für Schülerzeitungen und Campusmedien.

Mitmachen können alle an Technik und Journalismus interessierten Jungredakteurinnen und Jungredakteure von Schülerzeitungen/-radios und Campusmedien. Auf verschiedenen Fachmessen können sie Themen recherchieren, um hieraus Wettbewerbsbeiträge zu erstellen.

Die besten Teilnehmerinnen und Teilnehmer werden ausgezeichnet. Ihnen winken Hospitanzen,  Praktika, Sach- und Buchpreise. Außerdem werden die zehn Besten zu einem Workshop an die RTL-Journalistenschule eingeladen.

Weitere Informationen auf der Website von Technikjournalismus Wettbewerb.


“Nationalökonomie ist die Metaphysik des Pokerspielers”

17. November 2011

Von 1931 und damit mehr als achtzig Jahre alt,  im Kern aber unverändert aktuell: Ein historischer Text von Kurt Tucholsky über Geld, (Welt-)Wirtschaft, Kreditsystem, Landwirtschaft.

Kurzer Abriß der Nationalökonomie

Nationalökonomie ist, wenn die Leute sich wundern, warum sie kein Geld haben. Das hat mehrere Gründe, die feinsten sind die wissenschaftlichen Gründe, doch können solche durch eine Notverordnung aufgehoben werden.Über die ältere Nationalökonomie kann man ja nur lachen und dürfen wir selbe daher mit Stillschweigen übergehn. Sie regierte von 715 vor Christo bis zum Jahre nach Marx. Seitdem ist die Frage völlig gelöst: die Leute haben zwar immer noch kein Geld, wissen aber wenigstens, warum.

Die Grundlage aller Nationalökonomie ist das sog. ›Geld‹.

Geld ist weder ein Zahlungsmittel noch ein Tauschmittel, auch ist es keine Fiktion, vor allem aber ist es kein Geld. Für Geld kann man Waren kaufen, weil es Geld ist, und es ist Geld, weil man dafür Waren kaufen kann. Doch ist diese Theorie inzwischen fallen gelassen worden. Woher das Geld kommt, ist unbekannt. Es ist eben da bzw. nicht da – meist nicht da. Das im Umlauf befindliche Papiergeld ist durch den Staat garantiert; dieses vollzieht sich derart, dass jeder Papiergeldbesitzer zur Reichsbank gehn und dort für sein Papier Gold einfordern kann. Das kann er. Die obern Staatsbankbeamten sind gesetzlich verpflichtet, Goldplomben zu tragen, die für das Papiergeld haften. Dieses nennt man Golddeckung.

Der Wohlstand eines Landes beruht auf seiner aktiven und passiven Handelsbilanz, auf seinen innern und äußern Anleihen sowie auf dem Unterschied zwischen dem Giro des Wechselagios und dem Zinsfuß der Lombardkredite; bei Regenwetter ist das umgekehrt. Jeden Morgen wird in den Staatsbanken der sog. ›Diskont‹ ausgewürfelt; es ist den Deutschen neulich gelungen, mit drei Würfeln 20 zu trudeln.

Kurt Tucholsky 1928 in Paris (Bild: gemeinfrei).

Was die Weltwirtschaft angeht, so ist sie verflochten.

Wenn die Ware den Unternehmer durch Verkauf verlassen hat, so ist sie nichts mehr wert, sondern ein Pofel, dafür hat aber der Unternehmer das Geld, welches Mehrwert genannt wird, obgleich es immer weniger wert ist. Wenn ein Unternehmer sich langweilt, dann ruft er die andern und dann bilden sie einen Trust, das heißt, sie verpflichten sich, keinesfalls mehr zu produzieren, als sie produzieren können sowie ihre Waren nicht unter Selbstkostenverdienst abzugeben. Daß der Arbeiter für seine Arbeit auch einen Lohn haben muß, ist eine Theorie, die heute allgemein fallen gelassen worden ist.

Eine wichtige Rolle im Handel spielt der Export, Export ist, wenn die andern kaufen sollen, was wir nicht kaufen können; auch ist es unpatriotisch, fremde Waren zu kaufen, daher muß das Ausland einheimische, also deutsche Waren konsumieren, weil wir sonst nicht konkurrenzfähig sind. Wenn der Export andersrum geht, heißt er Import, welches im Plural eine Zigarre ist. Weil billiger Weizen ungesund und lange nicht so bekömmlich ist wie teurer Roggen, haben wir den Schutzzoll, der den Zoll schützt sowie auch die deutsche Landwirtschaft. Die deutsche Landwirtschaft wohnt seit fünfundzwanzig Jahren am Rande des Abgrunds und fühlt sich dort ziemlich wohl. Sie ist verschuldet, weil die Schwerindustrie ihr nichts übrig läßt, und die Schwerindustrie ist nicht auf der Höhe, weil die Landwirtschaft ihr zu viel fortnimmt. Dieses nennt man den Ausgleich der Interessen. Von beiden Institutionen werden hohe Steuern gefordert, und muß der Konsument sie auch bezahlen.

Jede Wirtschaft beruht auf dem Kreditsystem, das heißt auf der irrtümlichen Annahme, der andre werde gepumptes Geld zurückzahlen. Tut er das nicht, so erfolgt eine sog. ›Stützungsaktion‹, bei der alle, bis auf den Staat, gut verdienen. Solche Pleite erkennt man daran, dass die Bevölkerung aufgefordert wird, Vertrauen zu haben. Weiter hat sie ja dann auch meist nichts mehr.

Titelbild einer Ausgabe der Weltbühne vom 12. März 1929 (Bild: gemeinfrei).

Wenn die Unternehmer alles Geld im Ausland untergebracht haben, nennt man dieses den Ernst der Lage. Geordnete Staatswesen werden mit einer solchen Lage leicht fertig; das ist bei ihnen nicht so wie in den kleinen Raubstaaten, wo Scharen von Briganten die notleidende Bevölkerung aussaugen. Auch die Aktiengesellschaften sind ein wichtiger Bestandteil der Nationalökonomie. Der Aktionär hat zweierlei wichtige Rechte: er ist der, wo das Geld gibt, und er darf bei der Generalversammlung in die Opposition gehn und etwas zu Protokoll geben, woraus sich der Vorstand einen sog. Sonnabend macht. Die Aktiengesellschaften sind für das Wirtschaftsleben unerläßlich: stellen sie doch die Vorzugsaktien und die Aufsichtsratsstellen her. Denn jede Aktiengesellschaft hat einen Aufsichtsrat, der rät, was er eigentlich beaufsichtigen soll. Die Aktiengesellschaft haftet dem Aufsichtsrat für pünktliche Zahlung der Tantiemen. Diejenigen Ausreden, in denen gesagt ist, warum die A.-G. keine Steuern bezahlen kann, werden in einer sogenannten ›Bilanz‹ zusammengestellt.

Die Wirtschaft wäre keine Wirtschaft, wenn wir die Börse nicht hätten. Die Börse dient dazu, einer Reihe aufgeregter Herren den Spielklub und das Restaurant zu ersetzen; die frommem gehn außerdem noch in die Synagoge. Die Börse sieht jeden Mittag die Weltlage an: dies richtet sich nach dem Weitblick der Bankdirektoren, welche jedoch meist nur bis zu ihrer Nasenspitze sehn, was allerdings mitunter ein weiter Weg ist. Schreien die Leute auf der Börse außergewöhnlich viel, so nennt man das: die Börse ist fest. In diesem Fall kommt – am nächsten Tage – das Publikum gelaufen und engagiert sich, nachdem bereits das Beste wegverdient ist. Ist die Börse schwach, so ist das Publikum allemal dabei. Dieses nennt man Dienst am Kunden. Die Börse erfüllt eine wirtschaftliche Funktion: ohne sie verbreiteten sich neue Witze wesentlich langsamer.

In der Wirtschaft gibt es auch noch kleinere Angestellte und Arbeiter, doch sind solche von der neuen Theorie längst fallen gelassen worden.

Zusammenfassend kann gesagt werden: die Nationalökonomie ist die Metaphysik des Pokerspielers.

Ich hoffe, Ihnen mit diesen Angaben gedient zu haben, und füge noch hinzu, dass sie so gegeben sind wie alle Waren, Verträge, Zahlungen, Wechselunterschriften und sämtliche andern Handelsverpflichtungen –: also ohne jedes Obligo.

Aus: Kaspar Hauser in Die Weltbühne, 15.09.1931, Nr. 37, S. 393.

Kann man das nicht bei Google übersetzen lassen?

18. Mai 2011

Mensch oder Maschine – über den (kritischen) Einsatz von Übersetzungssoftware in international agierenden, mittelständischen Unternehmen.

Globalisierung und internationale Wettbewerbsfähigkeit sind längst nicht mehr nur Themen großer Konzerne. Auch mittelständische Unternehmen sehen sich immer mehr den damit verbundenen Herausforderungen gegenüber. Grundlage für eine erfolgreiche Internationalisierung der Geschäftsaktivitäten ist die Fähigkeit des Unternehmens, mehrsprachig zu kommunizieren. Ohne Kommunikation kein Geschäft – und so fallen ungeahnt große Textmengen an, die mitunter in zahlreiche Sprachen übertragen werden müssen. Produktinformationen, Gebrauchsanweisungen, Verträge, Geschäftsbriefe… Da sieht sich so mancher, der sich mit der Materie noch nie befasst hat, einer schier unlösbaren Aufgabe gegenüber.

Um Kosten und Zeit zu sparen und oft auch aus Mangel an Informationen, werden schnell maschinelle Übersetzungen oder kostenlose Angebot wie Google in Betracht gezogen, die noch sehr viel interessanter erscheinen, nachdem man bei Agenturen die Zeilenpreise der menschlichen Fachübersetzer erfahren hat.

Die richtige Übersetzungsmethode

Es gibt jedoch eine große Bandbreite an Mischformen, mit denen Kosten und Zeit gespart und dennoch Ergebnisse guter Qualität erzielt werden können. Hier sind detaillierte Informationen und differenziertes Abwägen gefragt.

Die rein maschinelle Übersetzung durch kostengünstige Software oder Freeware etwa wird von vielen Sprachdienstleistern komplett abgelehnt. Dennoch kann sie durchaus sinnvoll sein, wenn es ausschließlich darum geht, einen fachkundigen Mitarbeiter über den groben Inhalt eines Textes zu informieren, besonders wenn es mal schnell gehen muss.

Auch maschinelle Übersetzungen mit verschieden ausgeprägter Nachbearbeitung durch einen Fachübersetzer werden von Agenturen selten angeboten, sind aber eine kostengünstige Möglichkeit inhaltlich korrekte Übertragungen von wenig komplexen Texten zu erhalten.

Vorteile von Terminologiedatenbanken

Besonders interessant für Unternehmen ist die computerunterstützte Übersetzung mit CAT-Tools, bei der ein Fachübersetzer mithilfe einer Textdatenbank oft besonders zügig und damit auch kostengünstig arbeiten kann. Der enorme Vorteil dieser Methode ist die Konsistenz bezüglich der Terminologie. Ist ein Wort einmal in der Datenbank, wird dieses auch bei allen späteren Übertragungen automatisch verwendet. So trägt diese besonders bei der Übertragung von Gebrauchsanweisungen beliebte Methode dazu bei, Missverständnisse und Unklarheiten bei Produkt- oder Komponentenbezeichnungen von Anfang an zu vermeiden.

Die rein menschliche Übersetzung, die von Agenturen vornehmlich angeboten wird, ist oft kostspielig und zeitaufwändig, aber nur bei wenigen Texten in der Unternehmenskommunikation, wie etwa bei Geschäftsbriefen oder Pressemitteilungen, wirklich notwendig.

Unter den zahlreichen Angeboten kann also jedes einzelne in der entsprechenden Situation sinnvoll sein und auch mit knappem Budget ist eine erfolgreiche Präsentation mittelständischer Unternehmen auf ausländischen Märkten möglich.

Hier finden Sie nähere Erläuterungen  zu den verschiedenen Übersetzungsmethoden und Tipps zur richtigen Auswahl des jeweils sinnvollsten Angebotes.

Die Autorin Susanne Aufmuth ist Übersetzerin für Englisch, Spanisch und Französisch. Kontakt:  susanne.aufmuth@gmail.com .

Technikjournalismus: Modetrend oder notwendige Vermittlung zwischen Technik & Leser?

15. Februar 2011

Studienangebote zum Technikjournalisten haben Konjunktur, so auch in Nürnberg: Erstmals seit der Einführung zum Wintersemester 2009/2010 bietet die Georg-Simon-Ohm-Hochschule den Studiengang Technikjournalismus nun auch zum Sommersemester an.

Damit reagiert sie nicht nur auf den diesjährigen doppelten Abiturjahrgang in Bayern, sondern auch auf den Wunsch von Wirtschaft und Medien nach technisch ausgebildeten Journalisten. Rund 60 Studenten haben sich in den vergangenen zwei Jahren für diesen Studiengang an der Hochschule entschieden. Technikjournalist – nur ein Modeberuf oder eine Profession mit Perspektive?

Wissen und Informationen als Gesellschaftsproblem

Im Jahr 2002 haben Mitarbeiter des Max-Planck-Institutes für Festkörperforschung, Stuttgart, in einem Beitrag „Literaturflut – Informationslawine – Wissensexplosion Wächst der Wissenschaft das Wissen über den Kopf?“ geschätzt, dass die Zahl der Menschen mit wissenschaftlich-technischer Bildung zwischen 1950 und 2000 von 10 Millionen auf 100 Millionen zugenommen hat.  Parallel zur Zahl der Wissenschaftler steige die Informationsmenge an.

Mehr Forschung führt aber nicht nur zu einer ungeheuren Vermehrung von Wissens und Innovationen. Auch die Komplexität und Spezialisierung der Themen nimmt zu. Das zwingt Forscher und Entwickler immer häufiger, Neuerungen fach-, markt-, und zielgruppengerecht zu publizieren. Die Leserkreise sind vielfältig und reichen von Unternehmen und anderen Technikverwertern über mögliche Finanziers bis zu den Medien und Verbrauchern. Jede Gruppe benötigt unterschiedliche Informationen in einer anderen Sprache.

Mehr Masse als Klasse

Ein besonderer Aspekt beim Informationsverhalten der Verbraucher ist die zunehmende Nutzung von Meinungs- und Bewertungsportalen wie Dooyoo.de und Ciao.de. Das Internet verspricht ein breites Informationsangebot und Suchmaschinen schnell verfügbares Wissen.

Ciao.de, nach eigenen Angaben Europas Verbraucher- und Shopping-Portal Nummer eins, steht mit mittlerweile rund sechs Millionen subjektiven Erfahrungsberichten und Produktbewertungen von Konsumenten beispielhaft für die webbasierte Informationsexplosion. Das Problem: Es vermehrt sich weniger die Qualität als die Quantität der Informationen, so dass die Masse der Einträge die Auswahl der nützlichen erschwert.

Die Chance für etablierte Medien

Das muss der Ansatzpunkt für die Medien sein. Es ist eine der wichtigsten Aufgaben von Journalisten, Informationen für den Leser zu selektieren und zu strukturieren. Das gilt für die Politik, die Wirtschaft und wird zunehmend eben auch für technische Themen relevant.

Das Problem ist, dass viele technische Verlautbarungen und Pressemitteilungen noch in schwer verständlicher Sprache formuliert sind. Technikjournalisten sind in der Lage, die Informationen zu verstehen, zu bewerten, mit Hintergrundinformation anzureichern und zielgruppengerecht darzustellen.

Bei schwierigen und gesellschaftlich brisanten Themengebieten, beispielsweise aus der Umwelt-, Atom-  und Gentechnik, wird der Leser erst durch verständliche und qualifizierte Informationen in die Lage versetzt, sich mit ihnen auseinanderzusetzen und sich eine Meinung bilden zu können.

Perspektive Technikjournalismus

Noch sieht die Wirklichkeit anders aus. Die Medien greifen auf Journalisten mit autodidaktisch erworbenem technischen Wissen zurück, die Wirtschaft auf Ingenieure mit Zeitmangel und fehlender sprachlicher Schulung.

Quasi als Vermittler zwischen Technik und Sprache soll der 1999 an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg eingeführte Studiengang Technikjournalismus fungieren. Die Studieninhalte sind zu gleichen Teilen auf Journalismus und technische Themengebiete aufgeteilt.

60 Studienplätze stehen mittlerweile für den auf den Bachelorabschluss umgestellten Studiengang zur Verfügung – rund 200 Absolventen in den letzten 10 Jahren haben das Angebot genutzt. Dass ausgerechnet die bekannteste Studentin des Studienganges, Katrin Bauernfeind, mit nicht-technischen Themen große Erfolge in den populären Medien feiert, schmälert die Qualität des Studienprogramms in keiner Weise, sondern zeigt die Vielseitigkeit der Absolventen.

Werbebranche, Projektmanagement, Medienbereich, PR-Agenturen und technikgeprägte Unternehmen – die späteren Arbeitsbereiche sind vielseitig. 95% der Absolventen haben laut Hochschule einen Job gefunden. Wachsendes Interesse der Gesellschaft für technische Themen und der weiter steigende Pegel der Informationsflut lässt den Koordinator, Professor und Mitentwickler des Studiengangs Prof. Dr. Andreas Schümchen auch für die Zukunft ein reges Interesse der Arbeitgeber an den Absolventen prognostizieren. Der Nürnberger Georg-Simon-Ohm-Hochschule ist zu wünschen, dass ihr Studienangebot ebenfalls ein großer Erfolg wird.

Der Autor Patrick Kraus studiert Maschinenbau in Nürnberg. Zum Sommer 2011 plant er den Wechsel ins Studienfach Technikjournalismus.

 

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